Biografie

Der 1723 geborene, extrem fromme Arzt und Offizier Jo­hann Kaspar Schiller und seine 1732 geborene Gattin Elisabeth Do­rothea, Tochter eines Löwenwirts, haben 1749 ihre Ehe ge­schlos­sen. Nach Christophine im Jahre 1757 erblickt schließ­lich am 10.11.1759 Johann Christoph Friedrich das Licht der Welt.

Die ersten vier Jahre des späteren Dichters gehen in Ludwigsburg ohne den Blick des in württem­ber­gischen Diensten stehenden Vaters vorüber, der als Teilnehmer des sieben­jährig­en Krieges gegen Preußen erst zu Beginn 1762 in den Schoß der Familie als frischgebackener Hauptmann zurückkehrt und mit dieser ins Grenzdorf Lorch umzieht, ein enges Remstal in unberührter Wildnis.

Friedrich Schillers Jugend wird durch dauernde Krankheiten teilweise entstellt, wenngleich sein ehrgeiziger Vater große Pläne mit dem Sohnemann hat und wenngleich der zierlich ge­baute, rothaarige Junior mit Sommersprossen und ungewöhn­lich empfindlicher Haut sich seinen eigenständigen Idealismus bewahrt und eine klassische Charakterfestigkeit entwickelt. Im Alter von fünf Jahren wird der lernwillige Friedrich in die Lorcher Dorfschule eingeschult und, um Latein zu lernen, in die Obhut des Pfarrer Moser gegeben, nicht ohne Grund ein Namensvetter des aufrechten Priesters in „Die Räuber“, der dem Gottverächter Franz eine Standpauke halten darf, die sich gewaschen haben soll. Pfarrer Moser muss bereits in Schillers Kindheit als unfreiwilliges Vorbild herhalten – sogar in Kleiderfragen, was zu grotesken Travestie-Vorstellungen im Hause Schiller führt, als Friedrich in Pseudo-Priestertracht den Theologen nachahmt. Der hochreligiöse und begeisterungsfähi­ge Friedrich hält sich für den Geschmack seines Vaters sogar etwas zu eng an die christlichen Lehren, da er häufig eigene Sachen wie Bücher, Betttücher und Kleidung an Bettler und Gassenkinder verschenkt...

Im Jahre 1766 kehrt die Familie nach Ludwigsburg zurück, regiert von dem extravaganten Karl Eugen, der später als negatives Vorbild des Präsidenten von Walter im Drama „Kabale und Liebe“ herzuhalten hat. Schiller senior ist in die alte Garnision zurückversetzt worden. Das laute Stadtleben steht für Friedrich im krassen Unterschied zu seinem früheren glücklichen Landleben, das später auch für den Poeten in ihm prägend sein wird.

1767 wird Friedrich in die Lateinschule versetzt. Einige seltene Opernbesuche führen bei ihm zur Begeisterung fürs Theater, so dass er sich sein eigenes Marionettentheater baut und mit gleichgesinnten Freunden eigene kleine Stücke privat und ohne Publikum spielt – und selber als Spielleiter glänzt. Schulstress und väterlich übertriebene Autorität führen zu den be­reits erwähnten Krankheiten, welche das alljährliche, wegen seiner Gnadenlosigkeit traurig berühmte Stuttgarter Lan­des­exa­men zwecks Zulassung zum theologischen Studium er­schwe­ren. Der Druck der Strenge führt zu einer charakterlichen Wand­lung bei Schiller und Freunden und bringt sogar re­vo­lu­ti­o­nä­re Ideen zum Vorschein, die sich schließlich in seinen späteren Dramen erfüllen werden. Bei einer Zurechtweisung seiner ebenfalls stark religiösen Mutter wegen Friedrich locke­ren Spaziergangs am Tag vor der heiligen Kommunion 1772 er­hält Friedrich die Inspiration zu seinem ersten an­spruchs­vol­leren Gedicht, von dem man weiß, dass es seinen Vater auf­grund tiefer Emotionsausladungen, die Friedrich auch in spä­teren Werken ausgießen wird, schwer entsetzt hat. In diesem Jahr versucht sich der dreizehnjährige Poet auch an seinen ersten Trauerspielen namens „Die Christen“ und „Absalon“, beide leider nicht erhalten. Schiller hat auch später viel Papierkram einfach entsorgt...

Der dekadente Herzog Karl Eugen verlangt von Eltern begabter Schüler wie Friedrich die Auslieferung ihrer Kinder an seine Pflanzschule, die hohe Karlsschule, um sich selbst als Pädagoge auszuleben und um Offiziere heranzuziehen. Folg­lich wird auch Familie Schiller im Jahre 1773 gezwungen, den wie seine Eltern hier eher unwilligen Sohn an diese Schule abzugeben, so dass der Wunsch des Vaters ins Wasser fällt, Friedrich als Pfarrer ausbilden zu lassen. Die diszipliniert wir­ken­de Ausbildung an der Schule erweist sich als kinder­feind­liche Ordnungsstruktur, die Schiller zum Über­pudern seiner roten Haare zwingt und ihn wie alle anderen im übertragenen Sinn sklavisch an die Leine legt. Ferner hält man den Kontakt zwischen Schülern und deren Eltern so gering wie möglich, um Entfremdung herbeizuführen. Eine geplante Autobiographie Schillers scheitert aus Mangel an Erfahrung.

Starke Formschwankungen trotz bis zum Exzess gehender Lernbereitschaft führen nach anfänglich guten Zeugnissen zu ungewöhnlich schlechten Noten, worauf er von Herzog Karl Eugen gezwungen wird, sein ohnehin für ihn uninteressantes Fach Jura aufzugeben und ein Medizinstudium zu beginnen. Schillers Schüchternheit und stillschweigende Ablehnung ge­gen diese Art Erziehung schlägt in tiefe Wut um. Sein Kinder­glau­be bleibt ihm zunächst erhalten.

Im Alter von 16 Jahren entdeckt Schiller sein großes literarisches Vorbild in dem englischen Dichter Shakespeare, als er durch seinen jungen Lehrer Abel mit „Othello“, der reißerischen Intrigensammlung des bösen Jago gegen seinen komplex­beladenen Herrn Othello, vertraut gemacht wird. Diese li­te­rarische Bekanntschaft führt zu einem weiteren schrift­stel­le­ri­schen Versuch namens „Student von Nassau“, der jedoch der Selbstzensur des sehr selbstkritischen Verfassers unterliegt – der Vernichtung, so dass nicht viel mehr hierüber bekannt ist. In dieser Zeit lesen Schiller und seine ihn verehrenden Freunde Werke von Goethe, Wieland, Klinger, Ossian, Young, Brüger und Schubart. Ein Werk des Letztgenannten inspiriert Schiller zu „Die Räuber“ mit dem Ursprungstitel „Der verlorene Sohn“, das revolutionäre Stück seiner Jugendzeit, häufig unterbrochen aus Angst vor Entdeckung. Die ersten Szenen des wahnsinnig berauschenden, tragischen Dramas entstehen gar 1777, als Schiller knapp 18 Jahre zählt. Einige tragische Ereignisse in seinem Freundeskreis, unter anderem ein Selbstmordversuch, biegen Schillers Charakter noch einmal um. Derweil Schillers Vater erneut befördert wird, zum Intendanten der Hofgärtnerei, wird Schillers Vorbild Schubart aufgrund revolutionärer Schriften von Herzog Karl Eugen verhaftet, was Friedrich zur größten Vorsicht mit seinem eigenen Werk anregt, das er an sich nur schreibt, um seinen Direx auf die Palme zu bringen...

Schillers ebenfalls revolutionär triefendes Werk „Phi­lo­so­phie der Physiologie“, ein für viele anmaßend wirkendes, la­tei­nisches Prüfungswerk, ist von kleinen Seitenhieben gegen da­malige Lichtgestalten der Wissenschaft gefüllt und beeindruckt Karl Eugen zwar, wird allerdings nicht ge­druckt. Es führt jedoch zu einer Ehrung des jungen Schrift­stellers und damit zu einer Begegnung zwischen dem 20jährigen Schiller und dem 30jährigen Goethe, exakt am 14. De­zem­ber 1779 am Stif­tungs­tag. Zwei weitere Prüfungs­ar­beiten sind eine lateinische medi­zi­nische Untersuchung und der philosophische, weniger prä­ten­tiöse Text „Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen“, der bei Cotta ge­druckt wird. Hiernach besteht Schiller das mündliche Prüfungs­examen und wird nach dem Ausstieg aus der verhassten Schule Regimentsmedikus beim Grenadierregiment in Stuttgart.

Weiterhin befasst sich Friedrich immer noch mit seinen „Räubern“. Neben finanziellen Wünschen und bloßer Neugier auf die Schaffensfreunde herrscht das Hauptmotiv vor, zu pro­vo­zieren. Auf Verlangen des Herzogs muss sich Schiller in eine Uniform zwängen und bezieht ein recht ärmliches Quartier bei der Wirtin Luise Vischer, der er Andeutungen zufolge aufgrund deren Gutherzigkeit, weniger ihres äußeren Charmes wegen, später die „Oden an Laura“ widmet. Laut Aussagen seines Freundes Scharffenstein, mit dem er sich bereits einmal wegen einer scharfen Kritik zerstritt, hat Schiller zu dieser Zeit nur einige unbedeutende Affären zu Soldatenfrauen. Scharffenstein wirft ihm vor, er kopiere nur Gelesenes anstatt wirklich was Eigenes zu schreiben. Als Schiller im Frühjahr 1781 seine „Räuber“ drucken lassen möchte, findet Freund Petersen vorerst keinen Verleger, so dass Schiller unter großen finanziellen Aufwänden das Werk selber drucken lässt. Hier macht er erstmals Bekanntschaft mit späteren Geldnöten. Heute würde er sich vielleicht einem Druckkostenzuschussverlag anvertrau­en...

Nach erfreulichen Kritiken des Buchhändlers Schwan improvisiert Schiller einige Szenen im Zeitraum weniger Wochen und wartet auf das Urteil der Kritiker Dalberg, ein Intendant, und Schwan. Zu seiner Überraschung fällt die Reaktion begeistert aus. Im Erwarten, eine Bühnenfassung in­ner­halb von zwei Wochen erstellen zu können, benötigt Schi­ller für weitere Korrekturen jedoch zwei Monate. Immer wieder muss er improvisieren, um Dalbergs Vorsicht – nur ja keinen Ärger riskieren – zu unterstützen. Ursprünglich will Schil­ler ein zeitkritisches Werk schaffen, was durch erzwun­ge­ne Korrektur und Verlegung ins 15. Jahrhundert (sicher ist sicher...) etwas verloren geht. Die erste Aufführung an der Mannheimer Bühne am 13. Januar 1782 bringt nach anfäng­lichem Zögern das Publikum zum erregten Mitschaudern, was einen Erfolg mit sich führt, der im übrigen kurz vor der Französischen Revolution noch heute seinesgleichen sucht und nur noch mit den Reaktionen des Publikums von heutigen Kultfilmen vergleichbar sein dürfte.

Im gleichen Jahr wird Schiller Militärarzt und bringt eine Gedichtsammlung namens „Anthologie auf das Jahr 1782“ heraus. Man vermutet, dass Schiller nicht den Doktortitel belegt hat, da seine eigenen Rezepte sehr abenteuerlich ausgefallen sind, obwohl er sich teilweise mit Doktor anreden lässt.

Als Schiller sich mit der historischen Figur des Fiesko zu Genua befasst, soll er eine medizinische Doktorarbeit schreiben, was er unwillig beginnt und vermutlich nicht ganz ausführt. Da er wieder einmal schwänzt und heimlich nach Mannheim reist, was er als die glücklichste Reise seines Lebens bezeichnet, erhält er vom Herzog eine zwei Wochen währende Arreststrafe. Ihn hält der Gedanke aufrecht, dass Dalberg ihm einen Status als Dichter in Zusammenarbeit mit der Bühne zu geben geneigt ist. Dennoch verfällt er in Depressionen, als er nach zwei Briefen an Dalberg keine Hilfe von diesem erhält, denn Dalberg will Unannehmlichkeiten mit dem Herzog vermeiden. Streng verbietet Karl Eugen seinem Opfer trotz dessen verzweifelter Bitten im August 1782 das Handwerk eines Dichters – aus Furcht, selbst in diesen Werken bloßgestellt zu werden.

Schiller gewinnt die Freundschaft des Musikers Streicher und plant mit ihm die Flucht nach Mannheim. In einem Brief an den gefürchteten Herzog eröffnet Schiller dem Addressaten unter vielen Huldigungen, dass seine Ausreise nicht für immer gedacht sei – um seine Familie vor dem Herzog zu schützen und um nicht alles Frühere zu zerstören.

Das ebenfalls sehr revolutionäre Drama „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ steht vor dem Abschluss. In Anwesen­heit seines Freundes Streicher liest er es dem betretenen Regisseur Meyer vor, der seine schlechte Meinung gegenüber dem Stück ändert, als er es selbst gelesen hat und nicht mehr von Schillers schlechter Aussprache irritiert wird. Als in Mannheim verkündet wird, dass der Herzog Schiller verfolgen lässt, flieht dieser mit einigen Freunden aus der Stadt und nimmt mit ihnen eine Herberge in Sachsenhausen an. Dalberg verweigert Schillers briefliche Bitte um einen Vorschuss für den Fiesko. Er übersteht die Krise dank finan­zieller Hil­fe seiner Freunde und teilt unter falschem Namen mit Strei­cher ein Zimmer im Gasthof „Zum Viehhof“ in Oggersheim, in einem Mannheimer Vorort. Hier befasst er sich mit einer Improvisation des „Fiesko“, der jedoch abermals von Dalberg abgelehnt wird. Auf einer neuen Flucht nach Thüringen trennt sich Schiller gezwungenermaßen von Streicher und seinen ande­ren Freunden und kann endlich den „Fiesko“ an den Buch­händ­ler Schwan verkaufen. Schließlich bezieht Schiller Asyl in einem Haus seiner mütterlichen Freundin Wolzogen und schreibt ein bürgerliches Trauerspiel unter dem vorläufigen Na­men „Luise Millerin“, was später durch den Vorschlag des Schau­spielers Iffland in „Kabale und Liebe“ umgenannt wird. In diesem Text rechnet er endgültig mit den Machenschaften des Herzogs ab.

Mit Lesestoff versorgt wird er von seinem späteren Schwa­ger Reinwald, der von ihm begeistert ist. Als Botin bietet sich die Dienerin Judith an. Die Einsamkeit macht Schiller ziemlich depressiv und hemmt seine Gedankengänge. Während seiner Arbeit am „Don Carlos“ zeigt Dalberg Interesse an „Luise Millerin“, wodurch Schiller nach anfänglicher Skepsis zum Umarbeiten des Stückes für die Bühne angeregt wird. Er verliebt sich in Lotte, die Tochter seiner Gastgeberin, ohne jedoch Erfüllung zu finden, da Lotte bereits verlobt ist und sich nicht für ihn erwärmen kann. Enttäuscht verlässt der Dichter seine Herberge und erhält endlich von Dalberg eine Stelle als Theaterdichter, der für 300 Gulden pro Jahr drei Stücke liefern soll. Trotz unsäglicher Vertragsbedingungen zeigt sich Schiller hiervon sehr erfreut und arbeitet seinen „Fiesko“ nochmals um, nachdem er halbwegs glücklich die Ausmaße des kalten Fie­bers überstanden hat. Seinem Freund Meyer kostet die gleiche Krank­heit allerdings das Leben.

Nach einigen sehr hektischen und leidenschaftlichen Erar­bei­tungen im Jahre 1784 gibt der 25jährige seinen „Fiesko“ für die Bühne frei, doch die Aufführung gerät zum Flop, da sich das Publikum nicht mit dem republikanischen Geist des Stückes anfreunden kann. Drei Monate später wird „Luise Millerin“ aufgeführt, deren Erfolg fast an „Die Räuber“ erinnert. Im großen und ganzen erfasst die Mannheimer Regierung jedoch einen leichten Grimm gegen den aufsässigen Dichter – auch die Akteure seiner Stücke stellen sich wegen zu komplexer Texte alsbald gegen Schiller, ferner führen die ständigen Schulden zu einem ziemlich unglücklichen Leben in Mannheim.

Im September 1784 läuft der Vertrag bei Dalberg aus und wird nicht verlängert. Einige Fanbriefe beeindrucken Schiller tief, so dass er sich entscheidet, den Dichterstatus nicht an den Nagel zu hängen. Er bereitet einen Vortrag vor, der unter ande­rem unter „Die Schaubühne als moralische Anstalt betrachtet“ erhalten ist, der den Theaterfeinden die Bedeutung der Bühne zeigen soll, was bei Nietzsche zwar auf Ablehnung stoßen wird, aber nicht nur an Moral gemahnt, sondern die Bühne für funktionsfähiger als Gesetze erklärt – durch Gegenüberstellung von Mensch zu Mensch, was eben nur anhand der Bühne funktionie­ren könne, so der Schreiber. Als Schiller weitere Vor­schlä­ge zur Dramaturgie an Dalberg abgibt, wird er kur­zerhand vor die Tür gesetzt.

Während der weiteren Bearbeitung des „Don Carlos“, der den Sturm und Drang durchbrechen soll, versucht er eine Zei­tung namens „Rheinische Thalia“ herauszubringen, leider findet er keinen Verleger. Mit seinen wenigen Fans beginnt er sich in Verbindung zu setzen und unterhält eine komplizierte Af­färe zu der Adeligen Charlotte von Kalb, die ihm eine Anstellung als Rat verschafft. Ihr zuliebe muss er für eine Aufführung von „Luise Millerin“ alias „Kabale und Liebe“ den Namen des windigen Hofmarschalls (Kalb...) ändern.

Er verfasst „Die Freigeisterei der Leidenschaft“ sowie „Re­si­­g­nation“, worin er sich gegen Gott und die Welt auflehnt. Man nimmt an, dass sich der rebellische Autor hierbei nur verstellt. Jedenfalls verliert Schiller seinen Kinderglauben und schließt bei dem Besuch seiner bis dahin unbekannten Verehrer in Leipzig Freundschaft mit dem intellektuellen Körner. Ferner findet er die Heiterkeit seiner Jugend wieder und erhält, inspiriert durch freundliche Atmosphäre, die nötige Inspiration zu seinem „Carlos“.

Anderthalb Jahre bleibt Schiller in Dresden, beendet sein Ideendrama „Don Carlos“ und verfasst das Prosawerk „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“, wobei er die historische Wahrheit des Stoffes beteuert. Außerdem beginnt er den Roman „Der Geisterseher“, ohne sich über die spätere Entwicklung der Handlung im Klaren zu sein. In dieser Zeit wird er zum Hektiker und chronisch übermüdeten Hitzkopf. Die Zeitschrift „Thalia“ geht in den Besitz des Verlegers Göschen über, dem er auch seinen „Don Carlos“ anvertrauen will.

Auf einer Art Maskenball lernt der erhitzte Poet die junge Wahrsagerin Minna kennen, die ihn durch Geschenkansprüche von der Literatur ablenkt, bis es seinen Freunden gelingt, ihn wieder „wachzurütteln“. Schiller erlebt eine Art Renaissance, als er Charlotte von Kalb in Weimar wiedertrifft. Er lernt die Schriftsteller Wieland und Herder kennen, die ihm leichte Bewunderung zollen, aber geradezu schwärmerisch über Goethe plaudern, was auf Schiller zunächst keinen guten Eindruck macht. Rundum fasziniert ist Wieland, als er den „Don Carlos“ und den Beginn von Schillers „Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande“ liest.

Bei seinem Freund Körner stößt die Absicht Schillers auf Unverständnis, sich durch ständige Enttäuschungen bezüglich des gering dosierten Erfolges seiner Tragödien nur noch dem Historischen zuzuwenden. Bei der Bearbeitung des Geschicht­lichen geht es Schiller um die Fähigkeit, der trockenen Wissen­schaft durch seinen feurigen Stil etwas Leben einzuhauchen – und ganz nebenbei auch etwas Geld einzustreichen. Sein Werk „Der Geisterseher“ beginnt ihm wegen zuviel eingelegter Spontaneität und wegen zuviel Verkomplizierung des Inhalts stark zu missfallen, zumal ohne zu wissen, wohin ihn das Thema trägt. Es sei gesagt, dass ihm das Werk sehr viele Leser einbringen wird.

Schiller verliebt sich in Lotte von Lengefeld und gleichzeitig in ihre Schwester Caroline, derweil er das verzehrende Liebesfeuer seiner jugend überwindet – eine Beziehung, die von Charlotte von Kalb als „Doppelliebe“ bezeichnet wird.

Die erste bewusste Begegnung zwischen Schiller und Goethe läuft beklemmend ab – Goethe hasst Schillers heißblütigen Stil, während dieser Goethe, sein einstmaliges Idol seiner Ju­gendzeit, immer noch bewundert. Beide Autoren kritisieren scharf die einzelnen Werke des anderen. Den Sommer verbringt Schiller in Ruhlstadt. Die geplanten Werke „Der versöhnte Menschenfeind“ und „Die Malteser“ kommen nicht oder nur in einzelnen und, wie es heißt, kraftlosen Szenen zustande. Zumindest „Die Malteser“ verfügen über ein ansprechendes Gerüst. Goethes reservierte Haltung verbittert Schiller sehr, und er beginnt eine Art Hassliebe zu dem berühmtem Kollegen zu empfinden. In dieser Zeit verfasst er einige Gedichte wie „Die Künstler“, wobei er eine glatte Änderung seines teilweise derben Stils durchmacht, seinen eigenen Stand verherrlicht und sich mit Goethe misst, dann jedoch widmet er sich fortan anderen Schriften. Im Mai reist er in Jena ein, um als Professor der Geschichte Reden zu halten, was ihm begeisterte Zuhörer einbringt. Dennoch hält er die Geschichte nur für den Anreiz, seine Fantasie spielen zu lassen und diese in seinen Dramen auszugießen. Trotz Erfolg fühlt er sich nicht besonders wohl und schreibt regelmäßig Briefe an die beiden Schwestern Lotte und Caroline sowie auch an Körner. Seine Liebeserklärung an Lotte hat Erfolg, und man verlobt sich, obwohl Schiller mit Caroline besser zurecht kommt. Die Hochzeit findet am 21. Februar 1790 statt. Die Ehe bekommt dem Dichter gut, aber die Werke, die er zu verfassen sich aus finanziellen Motiven gezwungen sieht, gefallen ihm selbst nicht. Im Oktober nimmt Schiller zwei Wochen Urlaub und erhält später Besuch von Goethe, mit dem er einige liebenswürdige Diskussionen über Kants Philosophie abhält.

Der Nachschub der Malaria aus Mannheim wirft Schiller aufs Krankenlager. Nach tagelangem Fieber und Delirium erholt sich der Dichter in dem Wissen, bereits vom Tod gezeichnet zu sein – Grund genug, anhand kurzer, ihm noch verbleibender Frist hochmotiviert für die künftigen literarischen Stoffe ans Werk zu gehen.

1791 glaubt man bereits, Schiller sei todkrank, die Regierung setzt ihm trotz zeitweiliger Schreibunfähigkeit eine Rente von 1000 Talern jährlich aus. Langsam erholt sich der Dauerkranke und widmet sich der Philosophie des Aufklärers Kant, dem er eine gewisse Ordnung in seinen Gedanken verdankt, da er sich zwar immer als Erzieher der Menschheit gesehen hat, aber seine Vorstellungen erst jetzt umsetzen kann.

Nach einem längeren Freundschaftsbesuch bei Familie Körner vollendet Schiller im September 1792 den dritten Teil der „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ und führt nach einiger Unterbrechung seine berühmten Vorlesungen weiter. Die Studenten sind verrückt nach ihm und halten sogar Kran­kenwache an seinem Bett. Vom französischen Nationalkonvent erhält er den Titel des französischen Ehrenbürgers – nicht zuletzt aufgrund seiner rebellischen Dichtungen, denn in Frankreich tobt die Französische Revolution. Zunächst glaubt Schiller fest an das Gelingen, aber alsbald sieht er hierin nur noch ein Projekt des Pöbels, da er den echten Geist der Rebellion vermisst und da ihm die grausame Hinrichtung des französischen Regenten abstößt.

Um sich abzulenken und um sich zu erholen, hält er sich ein Pferd, wobei er sich jedoch leider als Dilettant in Sachen Reiten entpuppt. Das von ihm verfasste Essay „Anmut und Würde“ erreicht einen an „Die Räuber“ erinnernden Erfolg. Nachdem die Schwangerschaft seiner Frau Lotte festgestellt worden ist, besucht Schiller seine alte Heimat wieder, ohne dass seine drei Briefe vom Herzog Karl Eugen beantwortet werden. Für sechs Monate zieht Schiller in Richtung Ludwigsburg. Kurz nach der Geburt seines Sohnes stirbt der von Schiller als „Herodes“ bezeichnete Karl Eugen, was Schiller trotz alter Fehden bedauert. Obwohl mit alten Freunden aus der Heimat wieder vereint, verfällt Schiller erneut in Depressionen.

Im Jahre 1794 lässt sich der Autor in Stuttgart nieder, wo es ihm besser ergeht, da er hier Gleichgesinnte trifft. Im Mai kehrt er nach Jena zurück, wo er mit dem Tübinger Verlag kooperiert. Er plant die Kreation der Zeitschrift „Die Horen“, stellvertretend für alles deutschtümlich Intellektuelle. Hierbei arbeitet er mit den Kant-Fans Fichte und Humboldt zusammen. Die freundschaftlichen Kontakte mit Fichte zerbrechen an dessen jähzornigem und arrogantem Getue, während die Freundschaft mit Humboldt sogar noch fester als die mit Körner wird. Bei einer Diskussion über Kunst zwischen Schiller und Goethe lassen sich endlich erste Gemeinsamkeiten finden, die später zu einer Art Freundschaft führen.

Im Sommer 1795 verfasst Schiller mehrere Gedichte, unter anderem „Das Ideal und das Leben“. Um sich gegen vermeintlich aufklärerische, gegen beide Dichter gerichtete Schriften zu wehren, verfassen Schiller und Goethe die Epigramme „Xenien“, eine Art Satire, wie Schiller meint.

Der Plan Schillers, zwischen Poesie und Theorie zu wechseln, endet mit den ersten Ideen zu „Wallenstein“. Hierbei besteht die Schwierigkeit, den schmierigen Charakter der Titelfigur nicht zu verfälschen. Bevor er ein halbes Jahr später hiermit beginnt, arbeitet er Goethes „Egmont“ für die Bühne um. Erst zwei Jahre später wird „Wallenstein“ im umgebauten Gartenhaus vollendet, der dem Verfasser trotz ansprechender Form gewaltige Schwierigkeiten bereitet.

Im Jahre 1797 führen Schiller und Goethe den berühmten Balladenwettstreit aus, wobei ersterer von seinem Freund zu der Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ inspiriert wird. Das „Wallenstein“-Spektakel startet am 12. Oktober 1798 im Weimarer Theater. Der Erfolg bringt Schiller dazu, wieder mehr fürs Theater zu schreiben. 1799 nennt sich Schiller Vater von drei Kindern, namentlich Karl, Ernst und Karoline. Es finden noch einige Reisen nach Berlin und Leipzig statt, ansonsten verlässt Schiller seinen Standort Weimar nicht mehr. Nach dem Versuch, Shakespeares „Macbeth“ zu übersetzen, schreibt Schiller Lessings „Nathan der Weise“ und Goethes „Iphigenie auf Tauris“ um, letzteres eine Art Interpretation des Trojanischen Krieges. Im Schloss Ettersburg verfasst Schiller innerhalb von siebeneinhalb Monaten das Stück „Maria Stuart“, das Schicksal der schottischen Königin, die von ihrer Kollegin Elisabeth gequält wird. Eigentlich wollte Schiller das Drama noch kurz vor „Don Carlos“ schreiben. Teilweise betätigt er sich als Hilfsregisseur. 1800 beginnt er mit „Die Jungfrau von Orleans“, eine Tragödie, die ihm jedoch bald selber langweilig wird. Trotz Sympathiebekundungen der Theater-Oberen ärgert er sich über die Art der Schauspieler, seine Verse zu sprechen.

Im Winter erkrankt die ganze Familie Schiller an den Masern und der Hausherr selbst an Cholera. Dennoch vollendet er „Turandot“, ein Märchen, und „Die Braut von Messina“, das sich wie „Wallenstein“ durch seinen besonderen Ernst auszeichnet. Um sich bei der Arbeit an „Wilhelm Tell“, dem Volkshelden der Schweiz, inspirieren zu lassen, lässt er sich Goethe zufolge mit schweizerischen Landkarten versorgen – in anderthalb Monaten ist sein letztes Drama fertig und erntet den größten Erfolg von allen seinen Werken. Schiller beschließt, sich noch anderen Dramen wie „Rudolf von Habsburg“, „Heinrich der Löwe“, „Die Polizei“, „Die Braut in Trauer“ als zweiten Teil der „Räuber“ und anderen zu widmen.

Seine Todesahnung lässt ihn um Frau und Kinder zittern. 1804 erleidet Schiller nach der Reise nach Jena Anfälle, die ver­­mutlich aus der zehn Jahre zurückliegenden Darm­ver­schlin­gung herrühren. Er arbeitet noch am „Demetrius“ und an „Hul­digung der Künste“, um die Prinzessin von Weimar zu ehren. Bei einem Theaterbesuch erleidet Schiller einen neuen Anfall der Krankheit, die ihn schließlich am 9. Mai 1805 tötet.

 


   

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