(c) Olaf Materne (nach den gleichnamigen Balladen von Friedrich Schiller) 

 

Die Kindsmörderin

Seinen Beruf übte er noch nicht lange aus, was Vorteil und Nachteil zugleich darstellte – einen Vorteil, weil ihm auf diese Weise zumindest nicht langweilig wurde, von Routine sollte wirklich keine Rede sein. Er lernte noch, es handelte sich um einen Prozess, in dem Kasimir erst so nach und nach die nötige Erfahrung ansammelte. Oft gab es tagelang nichts zu tun. Wie er diesen Umstand einordnen sollte, wusste er nicht so recht. Hier versuchte er sich zu sagen, dass er eben auch für dieses Nicht-tun Bezahlung erhielt und dass es nicht an ihm lag, wenn die Auftragslage dünn war.

Der erwähnte Nachteil lag einer Tatsache zugrunde, die eigentlich den gleichen Voraussetzungen entsprach: Dadurch dass er eben nur wenig Erfahrung hatte, machte er Fehler, ungewollt auf Kosten der Menschen, mit denen er zu tun hatte. Ihnen einen schnellen und sauberen Tod zu verschaffen, nahm Kasimir sich bei jeder neuen Hinrichtung vor, denn Henker zu sein, bedeutete eine Berufung – das gesprochene Recht in die Tat umzusetzen, ohne den Verurteilten unnötig zu quälen. Seine erste Hinrichtung lief nicht so gut. Unsicher dachte er zunächst sogar daran, dem Opfer die Hand zu reichen. Opfer? Immer noch musste er sich zwingen, den Verurteilten nicht als Opfer zu sehen. Hier hatte er keine hilflosen Lämmer zu schlachten, sondern ausgekochte Verbrecher. Das Schlimme war, man sah dies eben den To­deskandidaten nicht an, die Physiognomie zeigte nur Panik, keine Bosheit. Eben nur Angst vor dem Tod.

Ein junger Henker musste nun mal lernen. Von klassischer Ausbildung zu sprechen, wäre lächerlich gewesen. Die ersten Ma­le hatte er das Gefühl, die Augenbinde für sein Ge­genüber wäre eher für den Henker bestimmt, um gnädigerweise zu vermeiden, dass der zu Tötende ihm letzte schmerzliche Blicke zuwerfen würde, die ihn in seiner Konzentration hinderten.

Tötungsarten gab es viele. Am vertrautesten wurde er mit dem Strick, im stillen Kämmerchen übte er fleißig. Er wurde lang­­sam schneller damit, ihn auf die verlangte Art vor­zu­be­rei­ten. Natürlich gab es auch unangenehmere Tötungs­arten. Die meisten Kan­didaten fügten sich, manche be­schimpften ihn, woran er sich langsam zu gewöhnen versuchte. Geistlicher Beistand wurde nur gelegentlich gewünscht und brachte ihn nicht selten durch­einander, als würde der Priester nicht dem Opfer – nein, dem Todeskandidaten – also nicht dem Todeskan­didaten, sondern dem Henker beistehen.

Nachdem jetzt schon zwei Wochen ins Land gezogen waren, ohne dass er eine Hinrichtung vorzunehmen hatte, wuchs in ihm langsam das Gefühl, dass er aus der Übung kä­me. Umso plötzlicher hieß es, dass am folgenden Tag zum ersten Mal seit langer Zeit eine junge Frau hingerichtet werden solle, und zwar per Schwertstreich. Sozusagen seine erste Frau. Er hätte den letzten Momenten des Prozes­ses beiwohnen kön­nen, ver­zich­tete aber aus Gründen, die er selbst nicht verstand.

Es handelte sich um eine Mörderin. Mitleid war hier fehl am Platz. Die junge Frau musste Mitte zwanzig sein und hat­te im vollen Bewusstsein gehandelt. Weder Schwach­sinnig­keit noch andere mildernde Umstände sah er hier. Ab und zu überlegte er, ob er die Hinrichtung mit ihr proben sollte, damit sie dann, wenn es darauf ankam, nicht völlig aus der Rolle fiele. Denn wie Frauen mit einem solchen Richterspruch um­gingen, würde nicht einfach vorherzusehen sein.

Nun gut, viel wusste er nicht von ihrem Fall. Gerüchten zu­folge hatte sie sich im Zustand der Trunkenheit zu vorgerückter Stunde in einem Gasthaus mit einem Fremden eingelassen, er­schwe­rend zu ihrer Unkeuschheit kam hinzu, dass sie hier ihre Arbeit als Teller­spülerin verrichtete. Es kam zu dem, was nach neun Monaten zu einem gewissen Ergebnis führte. Direkt nach dem Ablauf der Schwan­gerschaft soll sie zur Mörderin geworden sein, nämlich an ihrem unschuldigen Kind.

Er entschied sich, die Verurteilte am Abend aufzusuchen. Herun­tergezogene Augenbrauen, das klare Zeichen von Bos­heit, wie er sich das Kind vorgestellt hatte, konnte Kasimir auch bei dieser Kandidatin nicht finden.

Der Jüngste, den er bislang hingerichtet hatte, stand im Alter von knapp dreißig Jahren. Nun ging es also nicht nur erstmals um eine Frau, sondern auch um den jüngsten To­des­kandidaten, dem er je gegenüber stand. In die Augen sah er ihr nicht. Die Wärter dagegen ließen beide nicht aus den Augen. Er stellte sich der Inhaftierten gegenüber als Henker vor und murmelte, dass man vielleicht den Ablauf probeweise durchgehen sollte, damit es, nun ja, zu gegebener Zeit nicht irgendwie zu Unan­nehm­lichkeiten kommen würde. Er ver­sprach ihr Pro­fessionalität und setzte allerdings, wie er sagte, Kooperation voraus. Als erstes würde er ihr die Augenbinde reichen, ob das in Ordnung sei, wenn sie sich diese selbst umbinden würde.

Dass sie nicht antwortete, verunsicherte ihn. Er entschied sich, ins vertrauliche Du zu wechseln, aber dass er Susanna, wie sie hieß, jetzt noch mit Namen ansprach, wäre nun wirklich zuviel verlangt gewesen, das würde nur überflüssigerweise da­zu führen, dass er sich mit ihr identifizierte, was die Hi­n­richtung regelrecht blockieren, wenn nicht sabotieren würde.

Aus ihrem erloschenen Blick konnte er nichts herauslesen. Nachdem er dreimal gefragt hatte, ob sie sich denn nun die Augenbinde selbst umbinden wolle, hatte sie immerhin kurz genickt. Sie vereinbarten ein Zeichen, er würde ihren Kopf erst dann abschlagen, wenn er ihr das Haar vom Hals zur Seite gestreift hätte. Das heißt, nicht sie vereinbarte das Zeichen mit ihm, sondern nickte nur kraftlos, als er ihr diesen Vorschlag machte. 

Nachdem er sich anschickte, sie zu verlassen, flüsterte sie ihm ein Wort nach, von dem er zunächst nicht sicher sein konnte, ob sie ihn damit meinte oder eine Erinnerung. Erst nach und nach ging ihm auf, was sie ihm, der sie zunächst akustisch, wie so oft auch in anderen Fällen, nicht verstanden hatte, mit auf dem Weg gegeben hatte. Zunächst hatte er „So, jetzt!“ verstanden und lange überlegt, wie sie das gemeint haben könnte.

In der dritten schlaflosen Stunde der Nacht begriff er all­mählich, dass es sich um einen Männernamen gehandelt haben musste: „Josef!“ Oder handelte es sich hier um den Namen ihres toten Kindes? Ein Wärter, den er gut kannte, nahm ihn kurz beiseite, als er sich am bewussten Tag auf den Weg zur Hinrichtung begab, und berichtete grinsend, die junge Frau habe im Kerker randaliert und immer wieder den Namen „Josef!“ ausgestoßen. Er entschied, dass es sich dabei offenbar um den Namen des Kindsvaters handelte.

Innerlich schlug er sich auf die Schulter, um sich zu ermannen. „Vergiss den Namen Josef“, raunte ihm seine innere Stim­me zu, „vergiss ihr Randalieren, hier tust du der Ge­rech­tig­­keit einen Dienst, es handelt sich nicht um eine min­der­jäh­ri­ge Schöne, sondern um eine eiskalte Killerin, die mit der ganzen notwendigen Härte bestraft werden muss! Du hast die Re­geln nicht gemacht, aber keinen Grund, sie nicht zu be­fol­gen!“ Immerhin sah er die Möglichkeit, es angenehm für sie zu machen. Nein, angenehm natürlich nicht, aber weniger unan­genehm, zumindest weniger unangenehm, als es vielleicht ein grober Glatzkopf an seiner Statt regeln würde, der mög­licherweise noch gewisse voyeuristische Tendenzen hätte.

Von der Hinrichtung der Lady Jane Grey hatte Kasimir in der Schule gehört. Dass er Unterricht hatte genießen dürfen, war ja wirklich nicht selbstverständlich gewesen; er fühlte Dankbarkeit dafür. Innerlich fragte er sich, ob er von dem Fall Janye Grey lernen könnte, auch wenn es sich bei Susanna nur um eine Bürgerliche handelte. Es hieß, der Henker habe Jane Grey unmitelbar vor der Tötung um Vergebung gebeten, aber er habe offenbar versäumt, ihr den Weg zum tödlichen Block zu weisen. Nachdem sie sich die Augenbinde umgebunden hatte, wusste sie nicht, was von ihr erwartet wurde, und fuchtelte hilflos mit den Armen herum, und vielleicht fühlte sich der Henker zu schüchtern, um sie in die gewünschte Richtung zu lenken und mit dem Kopf nach unten zu drücken. Da mussten erst die Soldaten ran, ihren Kopf mit vereinten Kräften auf den vorbestimmten Platz zu legen. Als Kind hatte Kasimir diese Episode gehörig zugesetzt. Ein pro­fes­sio­neller Henker durfte sich bei allem Verständnis für eine ungewohnte Situation einen derartigen Lapsus einfach nicht erlauben.

Sollte er Susanna ebenfalls um Verzeihung bitten? Das erschien ihm albern, nachdem er sie bereits geduzt hatte. Ein weiterer Unterschied zwischen Susanna und Lady Jane – die Ade­lige hatte nichts verbrochen, sondern stellte einen poli­ti­schen Spielball dar, und ihre Minderjährigkeit nach da­ma­ligem eng­lischen Recht traf im aktuellen Fall ebenfalls nicht zu. An­sonsten sah er durchaus Parallelen, es handelte sich immerhin um die gleiche Tötungsart, bestenfalls leicht variiert. Im Grunde sollte das doch sogar eine Ehre für Susanna sein.

Der junge Henker wartete geduldig. Das Schwert hatte er zwischen den Händen gestemmt. Diese Nacht hatte er vom Grün seines Lieblingsparks geträumt. Die verrinnende Zeit ließ ihm die Möglichkeit, seinen Blick ins gaffende Publikum zu werfen. Da hinten glaubte er den schockierten Blick des jungen Herrn Goethe zu sehen. Das musste er sein, sein Gesicht sah der Porträtzeichnung sehr ähnlich, die er neulich in der Zeitung gesehen hatte. Eigentlich hatte Kasimir kein Verständnis, dass sich ein Dichter auf diese Art und Weise seine Inspiration suchte. Überhaupt gin­gen ihm diese Menschenansammlungen auf die Nerven. Na­tür­lich, eine öffentliche Hinrichtung musste eben nicht nur dem Na­men nach öffentlich sein, aber wäre es nicht an­genehmer, beispielsweise eine öffentliche Theatervor­stel­lung zu be­suchen?

Lady Jane wurde zum Block geführt. Moment! Lady Jane? Was für ein Unsinn. Es handelte sich natürlich nur um die Kindsmörderin Susanna, die er nun bestrafen musste, wie das Gesetz und sein Beruf es verlangten.

Und nun musste er doch tatsächlich noch den Fehler begehen, seiner Todeskandidatin in die Augen zu sehen.

 

 

Das Siegesfest

Die Arbeit konnte sich sehen lassen, die Einnahmen ebenso. Dagegen gehörten die Methoden nicht unbedingt zu den fein­sten, wie Odysseus sich selbst in stillen Stunden ein­ge­stand, aber der Zweck heiligte eben die Mittel.

Der ursprüngliche Sinn dieses Krieges hatte mit der er­zwun­ge­nen Rückkehr Helenas zu Menelaos seine Erfüllung ge­fun­den. Was dieser daraus machte, sollte seine Sache sein. Kein Grieche würde Menelaos ernsthaft einen Vorwurf zu machen wagen, sollte er die Rechte des Siegers gegenüber seiner leichtl­ebigen Gattin konsequent in Anspruch nehmen, so grübelte der Ithaker. Aber so stand es natürlich nicht ganz - obwohl Menalos mehr als Grund zu der Annahme hatte, dass Helena vor Jahren eben nicht das völlig unschuldige Opfer der Entführung des Paris war, das sie zu sein ihm und der Meinung des Volkes vorgaukelte. Sie passte sich den aktuellen Ge­geben­heiten schnell an, das mochte moralisch fragwürdig sein, aber doch gesünder. Und fragte Menelaos ernsthaft danach, wenn sie wieder friedlich und brav die Beine für ihn breit machte?

Es musste außerdem als das gute Recht des Siegers gelten, seinen Sieg ausgiebig zu feiern, denn wer wusste schon, was morgen käme. So ließen sie denn auch ausgiebig die Becher klingen und die Lagerfeuer bei den nächtlichen Ruhepausen länger als nötig brennen. Einen etwas sorgenvollen Blick in die Zukunft konnte Odysseus sich allerdings nicht verkneifen. Die Reise in die Heimat würde beschwerlicher als die Ankunft auf Troja werden, allein schon wegen der enormen Anzahl von Ge­fan­ge­nen, Sklaven, Silber und anderer Beute. Fraglich auch, ob nach rund zehn Jahren wirklich noch alles in der führungslosen Heimat des Wiedersehens wert wäre.

Jeder Sieg, so glanzvoll er auch schien, verkörperte eben nur eine Episode.

Beim Würfelspiel um die weibliche Beute hatte der Ithaker nicht wirklich Glück gehabt, er bekam die kaum als taufrisch zu bezeichnende Witwe des Priamos zugeteilt. Sogar dem toten Helden Achill hatte man mit dem Brandopfer der jüngsten Tochter des Priamos eine attraktivere Prämie und damit mehr Eh­re zukommen lassen. Dabei wusste doch jeder, dass die letz­ten Endes erfolg­reiche Idee mit dem Riesenpferd von ihm, Odys­seus, kam.

Interessiert beobachtete er den Zug der Sklavinnen zu den Schiffen. Andromache, die Witwe des trojanischen Prinzen Hektor, beherrschte sich ganz gut, wenn man berücksichtigte, dass die Griechen ihr den Säugling von der Brust gerissen hatten und... er dachte lieber nicht zu Ende. Auch in ihrem Kummer sah sie immer noch so aus, dass ihr neuer Besitzer sich glücklich schätzen durfte. Den Sohn Hektors hätte man ihr eigentlich lassen können, dachte Odysseus für sich. Dennoch, auch dies kein Akt des unüber­legten Affekts. Oder wollten sich die Griechen einen Rächer heranziehen?

Dagegen die angebliche Seherin Kassandra, deren tem­pe­ra­mentvolles Gekeife sich nach der Vergewaltigung durch den wilden Ajax in resignierte Zurückhaltung gewandelt hatte! Auch wenn er nur gedämpftes Mitleid mit den tief gefallenen Frauen fühlte, schüttelte Odysseus den Kopf. Wie Kavalliere hatten sie sich wirklich nicht verhalten. Zumindest der alte Pria­mos hätte als der Repräsentant seines Landes einen wür­di­ge­­ren Tod verdient gehabt als einfach durch Achills Sohn Ne­op­­to­lemos einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Immerhin hat­te ihm Achill selbst ihn in seinem Zelt Obdach gewährt und seinen selbstmörderischen Mut bewundert, als Neoptolemos noch mit der Rassel spielte.

Die Gedanken des Griechen konzentrierten sich erneut auf Andromache und Kassandra. Sollte Letztere wirklich in der Lage gewesen sein, das Unheil ihres Volkes vorhergesehen zu haben, wie es hieß, so musste sie auch um die Unentrinnbarkeit gewusst haben, zumindest jetzt schien sie zu wissen, dass sie das, was ihr bevorstand, nicht ändern konnte. Kunststück, als Gefangene. Den­noch irritierte ihn bei aller Selbstversunkenheit der Magierin, dass in ihren Zügen ab und an gewisse Formen der Zufrie­den­heit durch­schim­merten, als wüsste sie, dass es mit diesem Sieg für die Griechen noch nicht getan war.

Dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sein mochte.

Odysseus versuchte sich das vergebliche Flehen von Hek­tors Witwe um ihren Sohn vorzustellen und fragte sich, wie das Wechselspiel in ihren Zügen ausgesehen haben könnte, als sie mitansehen musste, dass man ihren einzigen Sohn die Burg hinunter warf. Er selbst hatte, den Göttern sei Dank, an anderer Stelle den Kampf gesucht.

Mit interessierter Distanz erinnerte er sich auch an die Vorkommnisse um den Beginn des Krieges herum, als die Griechen den minderjährigen Sohn des Priamos vor den Augen des entsetzten Vaters zu Tode steinigten. Natürlich klang das alles nicht sehr heldenhaft, das gab er gerne zu, aber zu Ge­wis­sens­bissen bestand eigentlich kein Anlass.

Die Rückkehr würde wirklich nicht einfach werden. Sogar die optimistischsten Wetterschauer hatten heftige Stürme vor­her­­ge­sagt, aber die Mannschaft wollte jetzt nicht länger warten. Viele sehnten sich in Richtung dessen, wo sie die Illusion wähn­­ten, dass Vertrautes auf sie warte. Die Helden waren ein­fach müde.

Es dürfte interessant werden, wie Klytemnästra ihren Aga­memm­­­non aufnehmen würde. Ob sie vergeben und vergessen hat­te, dass der König der Griechen seine und ihre Tochter Iphi­ge­nie an die Götter regelrecht ver­kauft hatte, um gut Wetter zu erbitten? Odysseus wollte beim besten Willen nicht mit dem König tauschen. Offenbar hatte dieser das Ganze ver­drängt, und eheliche Treue schien ihm auch nicht die Tugend Nummer eins zu sein. Seine Skla­vin­nen konnten einem leid tun. Das Geheule der Frauen wurde langsam anstrengend, Odysseus wandte sich ab.

Er fragte sich, wie es um ihn selbst bestellt sein mochte.

Wenn das Wetter günstiger wäre, als die Seher annahmen, konnte er relativ schnell wieder heimatlichen Atem schöpfen. Telemach, sein Sohn, würde jetzt kein Kind mehr sein. Und das Weib des Ithakers? Das Haar Penelopes mochte möglicher­wie­se schon grau geworden sein. Ob die frühere Behaglichkeit sich sogleich wieder einstellen würde? Konnte sich das Land vor Feinden sicher fühlen? Wie stand es um die aufdringlichen Edelleute in seiner verwaisten Burg, Schmarotzer, die sich selbst in der Anwesenheit des Odysseus nur schwer im Zaum halten ließen? Ob seine Mutter noch lebte?

Jeder Sieg konnte sich nachträglich in eine Niederlage verwandeln.

Wie würde es werden?

  

 

Die Nornen

Als Skuld lange genug auf den Brunnen geschaut hatte, folg­te sie ihren Schwestern in die Nacht. Urd und Verdandi kamen mit der Schüchternheit der Jüngsten nicht immer gut klar. Wie dem auch sei, der Sohn Theoderichs würde ein ehren­wertes Ziel bieten. Wenn Skuld nur an ihn dachte, wechselte ihr Gesicht die Farbe.

Das Gewordene sollte Werdendes oder Werdensollendes wer­­den. Lange dachte Skuld über die Schönheit ihres ge­mein­sa­men Mottos nach. Sie selbst interpretierte die Worte so, dass Ver­gangenheit zwar wichtig, Gegenwart und Zukunft aber noch wichtiger sein müssten. Dass Gewesenes sicht­ba­re Gestalt annahm, sich in die beiden anderen Dinge mischen sollte. Dies waren oft ihre Hauptgedanken, wenn sie auf ihren Brun­nen schaute, bis eine ihrer Schwestern sie un­willig wegrief.

Zusammen hatten sie eine angemessene Weile überlegt, mit welchem Geschenk sie König Theoderich ihre Referenz er­wei­sen sollten, aber auch, welches Gegengeschenk sie zu for­dern hätten. Das lag erst wenige Tage zurück. Was wäre anmaßend genug und rea­listisch zugleich? Der König hatte keinen Grund sich zu beschweren, ihr gemeinsames Geschenk sah an­spre­chend aus und konnte es von der Seltenheit her mit Wert­ge­­­gen­ständen aufnehmen, die nur we­ni­ge Irdische erreichten.

Nun sahen sie die Zeit erreicht, ihr Gegengeschenk einzu­for­dern.

Gern erinnerte sich Skuld an ihren Vater, ein beeindruckend großer Mann. Welche genauen Höhen seine Gestalt auch errei­chen mochte, die geistige Größe hielt gut mit. Von ihm hatten die drei Schwestern ihren Aberglauben nicht geerbt. Skuld fühl­­­­te sich beim Anblick Theoderichs gelegentlich an ihren Va­ter erinnert. Bei Theoderich handelte es sich um einen be­son­deren Men­schen. Sie sah ihm gern ins Gesicht. Erfreut hatte er auf ihr Ge­schenk reagiert, seine Überraschung hielt gerade noch den Rah­men des Schicklichen. Und auch ihre keineswegs ga­­­lante For­derung nach einem ganz bestimmten Ge­gen­ge­schenk schien er zunächst als eine Selbstverständlichkeit hin­zu­­­­nehmen.

Gemeinsam schrieben die Schwestern an einem großen Werk, das kein geringeres Thema als das Leben selbst und sei­ne Vorherbestimmungen hatte. Ehrgeizig genug, aber sie trau­ten sich eben. Oft sprachen sie nicht nur aus dies­em Anlass über Vergangenheit. Aber auch über Gegenwart und Zukunft. Und über das Unausweichliche.

Skuld kannte den Sohn des Regenten nicht, aber sie würde bald Gelegenheit haben, ihn kennenzulernen. Sicher würde er keinen Keil zwischen die drei Schwestern treiben. Trotz ihrer klei­­ne­ren Streitigkeiten hielten sie fest zusammen. Urd er­kann­ten Verdandi und Skuld mehr oder weniger neidlos als ihre Führerin an, sie hatte als Erste das Licht der Welten erblickt. Ihre Lieblings­haustiere waren zwei Schwäne. Vor niemandem zeigte Urd Angst, so brachte sie es auch fertig, dem Erha­bensten von allen selbst unangenehme Wahrheiten ins Gesicht zu sagen. Da blieb vor allem Verdandi bestenfalls der Status der Mitläuferin.

 Neben Literatur und Alltagsphilosophie gehörte vor allem die Natur zu ihren großen Interessen. Sie nannten ihre Lieb­lings­­bäume mit seltsamen Namen. Einer besonderen Pflege der drei erfreute sich die Esche Yggdrasil, die von einer ekelhaften Schlan­ge befallen war. Aber Feuchtigkeit und die Liebe der drei Schwestern verhinderten, dass sie sich hierüber sorgten. 

So konnten sie selbst die Schlange als Teil für sich akzeptieren. Wie sie selbst es sich wünschten, akzep­tiert zu werden, keinen übertriebenen Respekt zu er­zeugen, sondern dazu zu gehören.

Skuld selbst liebte den Kontakt mit den Menschen. Oft und gerne sagte sie ihnen die Zukunft voraus, dabei mischte sich einiges Geflunkere hinein, aber im Ganzen meinte sie es ernst. Manchmal plagten sie sogar Schuldgefühle, wenn sie sich bei zuviel Ernst oder zuviel Flapsigkeit ertappte.

 Über ihr Alter redeten sie nicht gern, sie wollten als alters­los gelten. Dass sie nicht gerade eine Generation verkörperten, schweiß­te sie nur umso enger zusammen.

In ihrer knapp bemessenen freien Zeit sangen oder sponnen sie gerne. Ebenso schätzten sie das Runenspiel. Es kränkte besonders Skuld, wenn man ihr und den beiden anderen nach­sag­te, dass sie sich zuviele Eigenmächtigkeiten erlaubten. Nein, sie befolgten einen genauen Plan. Auch sie erhielten ihre An­­­­weisungen. Was Skuld betraf, so hatte sie nicht vor, den Knaben des Theoderich mit Gewalt zu nehmen. Vornehmen wür­de sie ihn sich natürlich schon.

Interessant, dass König Theoderich plötzlich Entsetzen ge­zeigt hatte, als Urd in Sachen Gegengeschenk konkreter wurde. Sehr schnell und hektisch hatte er gesprochen und sich in der gleichen Geschwindigkeit entfernt. In tiefer Traurigkeit sahen die drei Schwestern es wieder so weit kommen, dass sie sich selbst verschaffen mussten, was das Schicksal ihnen verhieß. Sicher, es klang verständlich und rührend, dass Theoderich derzeit ver­mut­lich Himmel und Erde in Bewegung setzte, um seinen Sohn vor ihnen zu verbergen. Dem würden sie ganz gelassen ent­ge­gen sehen, schließlich war alles vorherbestimmt.

Das Kind starrte verzückt in die Nacht. Mehrere Soldaten standen Wache. Es krabbelte aus der Wiege, es verließ König Theoderichs einsam gelegenes Bootshaus und verbarg sich im Schilf, um die Schönheit der Natur allein und ungestört einat­men zu können. In der Entfernung sah es drei weibliche Gestal­ten langsam näher kommen, die zu schweben schienen, eine Alte, eine Jüngere und eine Kindliche.

Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft... Yggdrasil... die Runen... die Alterslosigkeit... das Werk des Lebens... die Schwäne... das Schicksal... ein Geschenk... das Gewordene, das Werdende und das Werdensollende.

 

 

 Der Handschuh

 Unbehaglich blickte Delorges auf die Edelfrau. Als besonders mutig galt er nicht, eher als bedächtig und vor­sichtig, und vieles blieb Ansichtssache. So richtig durchschaute ihn keiner. Er war noch neu bei Hofe und musste sich eingeste­hen, dass seine Kühnheit, auf geradezu auf­dringliche Weise einer Frau wie Kunigunde den Hof zu machen, ihm selbst nicht ganz geheuer vorkam. Das Fräulein lächelte viel und ge­heim­nis­voll, niemand wusste, was sie wirklich dachte. Spielte sie nur mit ihm?

Gelegentlich fühlte er sich in ihrer Nähe wohlgelitten, doch ohne dass sie es aussprechen musste, hatte er das Gefühl, dass er ihr endlich einen greifbaren Liebesbeweis bringen musste, damit sie ihn endlich erhörte. Aber was sollte er tun? Es ließ sich beim besten Willen kein Lindwurm in der Gegend finden, ein Feuer gab es auch nicht zu löschen, und die Turniere langweilten sie.

König Franz war ein gütiger Herrscher, aber er genoss das Zu­sehen zu sehr. Die voyeuristischen Tendenzen, die den Kö­nig plagten, hatten inzwischen auch seine direkte Umgebung angesteckt. Für den heutigen Nachmittag hatte er eine kleine Sen­sa­tion angekündigt und besonderen Befehl gegeben, dass je­der Höfling zu erscheinen habe, ungeachtet seines Ge­sund­heitszustandes.

Delorges saß in der Nähe des Königs. Dies war eine Gunst, die ihm sicher nicht umsonst zuteil wurde, aber sie bedeutete ihm nicht viel. Wichtiger wäre es ihm gewesen, einen Platz neben Kunigunde zu bekommen, doch sie saß unter den ande­ren Hoffrauen, und es wäre nicht schicklich von ihm, jetzt auf sie zuzugehen. Zumal sie noch nicht ein einziges Mal wirklich alleine einander genießen durften. Mit einem Platz, auf dem er sie zumindest sehen konnte, wäre er schon zufrieden gewesen, aber die Frauen saßen auf ihrem Balkon hinter dem König. De­lor­ges bedeutete frauliches Wesen sehr viel. Frauliches Wesen hieß für ihn aber nicht nur eine schöne Gestalt oder ein hübsches Gesicht, sondern eine gewisse Edelmütig­keit. Er sah sie in Kunigunde, sie repräsentierte seine große Liebe, und wahr­scheinlich würde es nie wieder eine größere nach ihr ge­ben. Aber es sah ganz so aus, als ob sie ihn in den nächsten Ta­gen mit einem höflichen Korb beehren würde.

Der König klatschte in die Hände, und zwei Männer betra­ten die Arena vor ihm. Delorges hatte sich so sehr in seine Gedanken vertieft, dass er nicht einmal darauf geachtet hatte, dass der geliebte Löwengarten des Herrschers leer gewesen war, als der gemeinsame Zug der Ritter an diesem vorüber­geschrit­ten. Um die Arena herum wurde ein großer Käfig auf­ge­baut. Langsam dämmerte es Delorges, was geschehen würde. Am Löwengarten hatte er sich nie lange aufgehalten. Er teilte das Vergnügen von König Franz nicht, Raubtiere zu beob­achten, und schalt ihn im Stillen dafür. Der Herrscher hatte seine Lieblingstiere unter ihnen, und es handelte sich nicht nur um Löwen, sondern auch um Tiger und Leoparden.

König Franz hatte sogar Männer gefunden, die mit der Kunst vertraut waren, den Tieren in Gefangenschaft ein gewis­ses Wohlbehagen zu vermitteln, so dass mit Recht behauptet werden konnte, dass zumindest in der Region der Löwengarten des König Franz der einzige war, worin Tiere in Gefangen­schaft sich weiter ver­mehr­ten. Und das musste Delorges zu­geben, die Tiere wirkten glück­lich und hatten viel Platz. Im Gegensatz zu vielen anderen Tieren in Gefangenschaft, die ein­fach nur dahin dämmerten und bekümmert ihrem Ende ent­gegen sahen. Und doch fühlte Delorges Mitleid mit den Tieren des König Franz.

Endlich sprach der König und verkündete die Überraschung, die schon lange keine Überraschung mehr bildete. Er würde Tiger, Löwen und Leoparden, die im Löwengarten voneinander ge­trennt lebten, aufeinander loslassen, und sie hatten einige Tage nichts zu fressen bekommen. Delorges ließ die Augen blitzen, aber er schwieg. Der König klatschte in die Hände, und es erschien ein Löwenweibchen. Die Damen auf dem Balkon ließen leise Rufe des Schreckens ertönen, aber gleich darauf setzte wieder ein Kichern ein. Die Ritter dagegen blieben ruhig und lächelten dümmlich, wie Delorges fand.

Das Tor wurde geschlossen, und das Löwenweibchen starrte auf die Menge. Dann legte es sich auf den Boden und wartete ab. Es schien zu wissen, dass gleich etwas passieren würde. Erneut klatschte König Franz in die Hände, das zweite Tor öffnete sich, und es sprang ein Tiger hinaus in die Arena. Mit seinen Pranken schlug er nach der Löwin, die sofort aufge­sprun­gen war und zurückbrüllte. Sie liefen einige Runden vor­ein­ander her und gestatteten sich einen gewissen gegenseiti­gen Respekt zu, der sie beide dazu veranlasste, sich endlich grol­lend auf den Boden hinzukauern.

Jetzt öffnete sich das dritte Tor, dabei hatte der König nicht einmal in die Hände geklatscht, aber er schrie vor Vergnügen. Zwei Leoparden wurden in die Arena getrieben. Sie hatten es auf den Tiger abgesehen. Dieser schlug als Erstes zu, die Löwin ließ ein lautes Gebrüll ertönen. Auch ein Löwe hatte sich inzwischen eingefunden, aber Paarungsgedanken lagen ihm fern. Seine Anwesenheit hatte eine Art Ruhe hergestellt, die Tiere legten sich auf den Boden und murrten sich an.

Als es langsam langweilig wurde und König Franz ungedul­dig mit den Fingern schnalzte, wurde etwas in die Arena gewor­fen, als wäre es ein verabredetes Zeichen gewesen, aber dies anzunehmen, wäre natürlich Unsinn. Es war eine Bewe­gung vom Balkon gewesen. Lächelnd rief eine weibliche Stimme über den Platz: „Herr Ritter Delorges, ist eure Liebe so heiß, wie ihr es schwört zu jeder Stunde, geht hin und bringt mir meinen Handschuh wieder!“

Noch bevor die erste Silbe gesprochen, wusste Delor­ges, dass es sich natürlich um Kunigunde handelte. Die Menge gab Laute des Beifalls zum Ausdruck, Lachen schwang mit hinein, und Delorges drehte sich um und blickte für eine Sekunde lang unbeweg­lich auf den Balkon.

Einen Moment blieb er ruhig sitzen, als hätte er nichts ge­hört. Seine Augen blinzelten leicht. Kunigunde schien zu über­l­egen, ob sie ihre Rede wiederholen sollte.

Dann schwang er sich ohne Hast von seinem Sitz und tat, als sehe er den Arm von König Franz nicht, der ihn zurück­halten wollte, er tat, als höre er die Stimme von König Franz nicht, der ihn zurück rief und dabei deutlich machte, dass sein Ruf kein Befehl, sondern eine Bitte war, die er selbst nicht ernst meinte, dazu war er zu sehr aufs Zusehen versessen. Und seine Lautstärke hatte im Laufe des Satzes, den er sprach, deutlich abgenommen, und schließlich hatte er seine Bitte nicht einmal vollständig ausgesprochen und den Satz sogar abge­brochen.

Jetzt stand Delorges vor dem Käfig. Er zwang sich, seine Gedanken auf den Handschuh zu richten und nicht an den König zu denken. Die Menge schwieg erschüttert. Namenlose Spannung lag in der Luft. Mit einer leichten Handbewegung öffnete der Ritter das Vorhängeschloss des Gitters und befand sich am Rande der Arena. Schnell, aber nicht hektisch ging er an den Bestien vorbei und spürte ihren Hunger, aber auch ihre Verblüffung. Der Handschuh lag nur noch einen Meter ent­fernt, zwischen dem kleineren Leoparden und der Löwin.

Er sah ihnen nicht in die Augen, er ging nur seiner Wege und wusste kaum, was er tat. Dann hatte er den Handschuh erreicht, ergriff ihn und kehrte zurück zum Tor, nicht schneller als er bei seiner Ankunft gewesen war, als habe er sein Lebtag nichts an­deres getan.

Nun musste er an dem großen Leoparden vorüber, der urplötzlich mit einer Pranke nach ihm schlug. Aber der Löwe brüllte und lenkte damit die Aufmerksamkeit des Leo­par­den auf sich, der sich schon zum Sprung geduckt hatte.

Klappernd fiel das Vorhängeschloss zurück.

Ein einziger Jubelschrei entrann der Zuschauerschar. Die Bestien wirkten so verdutzt, als hätten die Dompteure ihnen Rauschkraut ins Futter gemischt. Das Gesicht von Delorges hatte sich vor Anstrengung gerötet, aber blass blickte er nicht drein. Langsam und immer noch ohne Hast zog es ihn auf den Balkon zu, am König vorbei, der lachte und ihm die Schulter tätscheln wollte, ihm Silber versprach, davon redete, dass er ihn künftig immer direkt neben sich sitzen lassen wolle, aber Delorges sah nur den Balkon, wo Kunigunde wartete, mit ihren ungläubig geweiteten Augen und verzückter Miene.

Jetzt gehöre ich dir, sagten ihre Gedanken. Noch nie hatte ein Mann so viel für sie gewagt. Delorges hatte ihr ganz deut­lich seine Liebe gezeigt. Er sollte ihrer würdig sein, dessen war sie jetzt sicher. Langsam erhob sie sich von ihrem Sitz, sie strahlte vor Glück und Überraschung und wollte in seine Arme sinken.

Delorges sprang auf sie zu, warf den Handschuh auf den Bo­den und schlug ihr zweimal mitten ins Gesicht. Dann verschwand er, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

  

 

 Der Kampf mit dem Drachen

 Die Trauerfeierlichkeiten im Orden neigten sich ihrem Ende zu. Demütig senkte der junge Kreuzritter den Blick. Fünf Tote hatte es gegeben. Der Meister sah gramvoll aus, wie noch nie zuvor. Für sie alle war klar, was nun kommen würde – das Gebot, das heilige Gebot, den Kampf mit der entsetzlichen Bestie zu meiden, die die Bauern tötete und das Land mit ihrem Atem verseuchte.

Lange hatte er sich geweigert, an ihre Existenz auch nur zu glauben, doch die wenigen Augenzeugen, die eine Begegnung mit der Bestie halb invalid überlebten, klangen überzeugend, und ihre Verletzungen sprachen für sich. Der Meister hielt noch eine Ansprache, die erwartete Bitte an alle Kreuzritter, die Bestie künftig nicht mehr aufzusuchen. Dann zog er sich schlurfend in die Gemächer zurück. Vielleicht ist alles nur eine Frage der Vorbereitung, dachte der junge Ritter. Der Meister war streng und gütig zugleich, so grübelte der Ritter, aber diesen Befehl konnte er nicht ernst gemeint haben. Es ging ihm nicht mehr um die Moral, sondern um das Leben seiner Ritter, die er schützen wollte.

Was schmückt den Jüngling, ehrt den Mann, was leisteten die kühnen Helden, von denen uns die Lieder künden? fragte sich der Junge. Sie reinigten die Welt von Ungeheuern und Heiden. Doch wo die Kraft versagte, war die List gefragt. Oft hat­te er die grauenhaften Spuren des Wesens gesehen. Ei­gentlich hatte er sie sich größer vorgestellt, und der Augenblick dieser Erkenntnis gab ihm das Wissen, das er sich zusätzlich einge­stand, dass eben überall nur mit Wasser gekocht wurde.

Am Tag nach den Trauerzeremonien betrat der junge Ritter die Gemächer des Meisters und erbat sich Urlaub wegen einer Fa­mi­lienangelegenheit. Der Alte küsste ihm die Stirn und seg­ne­te ihn. Auch wenn der Ritter fühlte, dass sein Meister nie­man­den bevorzugen durfte, spürte er, dass er eine besondere Liebe durch ihn genoss.

Der Ritter wusste, dass man seine Schlachten nicht alleine schlug.

Zwei Hunde wählte er aus, nach einem selten edlen Stammbaum, ähnliches galt für den Rappen, den er sich auser­kor. Auf die Jagd zog er mit ihnen und spürte immer größere Beute auf, um seine Tiere – und unverhohlen auch sich selbst – auf die Echse vorzubereiten. Es begann mit Kaninchen und führte zu Wildschweinen. Die Tage zogen dahin, und seine Hun­de hatte er wirklich scharf gemacht, auch sein anfangs ängst­licher Rappe hörte mutig auf jedes Kommando. Mit die­sem unschlagbaren Team wollte er das Unmögliche wagen.

In den Bergen, von Felsen verborgen, wartete das Monster auf seine Beute. Ein letztes Mal pilgerte der Ritter auf den heiligen Berg und bereute seine Sünden. Den Knappen schickte er weg, dieser wäre ihm nur im Wege gewesen. Höchstper­sön­lich schärfte der Recke seine Lanze und machte sich auf den Weg.

Der beißende Gestank des Wesens trieb seinen Rappen nur zögernd voran, und die Hunde wichen zurück. Die Echse sah kleiner aus, als er erwartet hatte. Selbst beim Schlafen hielt sie die Augen nicht vollständig geschlossen. Längst musste sie ihn gerochen haben, aber sie reagierte nicht, auch dann nicht, als er immer näher heranrückte. Sein Pferd hob den Kopf und wehrte sich, die Hunde winselten. An eine überdimensionale Ei­dechse erinnerte sie ihn. Jetzt hob die Echse ihren Kopf. Er zog den seinen ein und erwartete ein fauchendes Brüllen, aber kein Laut ließ sich hören.

Das Wesen starrte ihn an, und sie fühlten eine gewisse Ver­wandtschaft. Für eine Zehntelsekunde spürte er Mitleid mit der Kreatur, er begriff, dass ihre Bosheit angeboren war und sie selbst mit dem edelsten Charakter der Welt doch nur das sein konnte, was sie geworden.

Viel schneller als die zunächst trägen Bewegungen hatten ver­­mu­ten lassen, reckte sie den Kopf nach ihm und ließ die Zun­ge hervorschnellen, wie ein Laubfrosch auf der Jagd nach einer Fliege.

Entsetzen packte ihn - was tat die Echse denn jetzt? Sie machte schmatzen­de Bewegungen und schien zu grinsen. Das Umtän­zeln und Abtasten hatte ihm jetzt lange genug gedauert. Plötz­lich musste er nämlich daran denken, dass die Hirten, die sich jüngst verirrt hatten, aus dem Sumpf nur noch als Skelette geborgen werden konnten. Eilig griff er nach seinem Ger und zielte kurz auf die Weich­teile des Monsters, aber entweder hatte er sich nicht genügend Zeit genommen oder der Wurm trug selbst um die Lenden noch einen Panzer.

Wie dem auch sei, der Wurf hatte trotz seiner Ziel­genauigkeit fehlgeschlagen. Mitleidig schien der Blick des Lindwurms auf ihm zu ruhen. Aber dies geschah nur für die Dauer eines Augenblicks, jetzt öffnete das Monster den Rachen und präsentierte ihm düstere Zukunftsaussichten. Sein Rappe hatte sich ent­schlossen, das Heil in der Flucht zu suchen, und brachte ihn damit zum Fallen. Seite an Seite standen sie, der Wurm und der Ritter, und auf eine seltsame Weise bereitete es ihm Freu­de, dass sein Pferd davon lief, es würde diesen Tag zumindest überleben.

Die Hunde hatten ihren Mut zurückgefunden und schnapp­ten nach dem Monster, das sich kaum zur Wehr setzte, als würde es ahnen, dass sie seine Aufmerksamkeit nur von dem Hauptgang ablenken sollten.

Wieder schnellte die klebende Zunge hervor, sie rollte ihn ein, schmiegte sich an ihn, schien ihn zu etwas überreden zu wollen...

An das, was folgte, konnte er sich nicht gleich erinnern, aber Bauern fanden ihn und ließen den noch halb Betäubten in ihrer Mit­­te hochleben, die Echse lag leblos neben seinen toten Hun­den. Irgendwie hatte er es geschafft, das begriff er jetzt, und damit war er der Held seiner Zeit. Endlich hatte er etwas voll­bracht, das ihm Selbstbewusstsein und seinem Dasein einen Sinn gab. Jetzt konnte er das Haupt aufrecht halten, vorbei sollte es sein mit dem gesenkten Blick und vorbei mit aller Demut - nun durfte gefeiert werden!

Der Triumphzug brachte ihn in seiner Mitte auf dem schnellsten Weg zum Orden, wo der Meister seinen ungehor­samen Schüler erwartete. „Ich habe der Ritter Pflicht getan!“ begrüßte ihn der Jüngling erhobenen Hauptes. „Der Drache, der dies Land verödet, ist von meiner Hand geschlagen! Frei ist dem Wanderer der Weg, der Hirte treibe ins Gefilde, froh walle der Pilger zu den heiligen Stätten!“

Seltsam düster starrte ihn der Meister an. Ich hatte anderes angeordnet, sagte ihm sein Blick. Und du bist stolz geworden.

„Du hast als Held gehandelt, der Mut ist es, der den Ritter in dir ehrt, du hast den kühnen Geist gezeigt, doch sprich – was ist deine erste Pflicht als Ritter dieses Ordens?“

„Gehorsam“, flüsterte der Junge blass.

„Und diese erste Pflicht, mein Sohn, hast du frech verletzt, du hast den Kampf gewagt, den ich aus­drück­lich allen verboten hatte.“

„Lass mich erzählen“, un­ter­brach ihn der Junge mit heiligem Schauder. Und er erzählte von seiner Trauer um die toten Ritter, schließlich von dem entscheidenden Kampf und von seinen jungen Hunden, die für ihn gestorben waren: „Und als ich neugestärkt erwache, seh ich die Knappen um mich stehen, und tot im Blute liegt der Lindwurm!“

Da brach der Jubel wieder los, der so schnell verstummt war. Auch die Ritter des Ordens kriegten sich nicht mehr ein vor Begeisterung. Doch der Meister hob nur eine Hand, und abrupt schwieg die Menge. Und er sah so gramvoll aus, wie er selbst bei der Trauerfeier der fünf toten Ritter nicht aus­gesehen hatte.

„Den Drachen, der das Land verhehrt, hast du mit tapferem Herzen besiegt! Ein Gott bist du dem Volk geworden – und deinem Herrn ein Greuel! Einen schlimmeren Wurm gebar dein Herz, als es diese Echse jemals sein konnte – den Hochmut!“ krächzte der Greis.

„Diese Schlange, die dein Herz entzündet, hat dich untauglich für den Dienst im Orden gemacht! Im Orden herrschen Disziplin, Demut, Ordnung, Gehorsam – alle diese Werte sind dir fremd. Wo der Herr in seiner Größe gewandelt hat in Knechtes Lumpen, da stifteten die Väter dieses Ordens Bund, der Pflichten schwerste zu erfüllen: Zu bändigen den eigenen Stolz!“

Der Alte schlug ihm das Kruzifix herunter und riss ihm die Kleider ab.

„Du bist nicht wert, diese Luft zu atmen! Geh hinaus und verpeste den heiligen Ritterorden nicht länger!“

Der Junge sprach kein Wort, aber die Menge ließ klagend ihren Unwillen erkennen.

Gespannt wartete der Alte auf das, was der Junge tun würde. Er betete für ihn und hoffte, hoffte... der Junge trug ein Schwert an der Seite, er zog es – und legte es vor den Meister hin. Dann kniete er nieder und wandte sich zum Ausgang. Die Sekunden schlichen dahin. Doch noch ehe er den Weg vollendet hatte, rief ihn der Meister mit Tränen der Freude zurück: „Du hast den letzten Kampf bestanden, es war ein härterer Kampf als gegen den Drachen, du hast deinen eigenen Hochmut besiegt und bist wieder in allen Gnaden aufgenom­men!“

 

 

Rosamund

 Seine Wunden mussten tödlich sein, dass wusste er sofort, nachdem er sie empfangen hatte. Halbtot schleppte sich Flo­ri­sel fort zu Rosamund, oder besser dorthin, wo er sie vermutete, in der Hoffnung, endlich ein gutes Wort von ihr zu hören. Um ihret­willen hatte er diese Prüfung auf sich genommen und Agnes, seine Liebste, verlassen, nun sollte es zumindest nicht ganz vergebens gewesen sein. Doch - wo befand sie sich? Ro­samund, die Rose seines Mundes? Er hatte ihren Auftrag ausgeführt. Hing sie nicht an seinen brechenden Augen? End­lich sah er sie, wie sie sich unter das Volk mischte, und er­innerte sie an ihre Abmachung.

„Hatten wir eine Abmachung?“ lautete die knappe Antwort.

Der Ritter verstand und nickte bitter. Sein Knappe Roger, der ihm jetzt schon im zehnten Jahr diente, bemühte sich, die Wunden zu stillen, doch es gelang ihm nicht. Als Rosamund gehen wollte, stellte er sich ihr in den Weg.

„Was willst du, Knappe?“

Dieser deutete auf den Sterbenden und sah die Gräfin wortlos an. Rosamund schob ihn zur Seite. Wütend zischte er ihr hinterher.

Der Ritter würde diesen Tag nicht überleben, dies musste auch dem letzten Zuschauer klar sein. Eine junge Frau trat zu Florisel und kühlte ihm die Stirn. Auch sie wandte sich an Ro­sa­mund und bat sie auf den Knien um ein paar gute Worte zu dem tödlich verwundeten Recken. Bedauernd zuckte die Für­stin mit den Achseln und ging fort. Das Fräulein wandte sich zurück zu ihrem Patienten.

Als er zu ihr aufsah, senkte er sofort wieder den Blick. Es handelte sich um eine Dame, die er gut kannte, zu gut. Leider handelte es sich nicht um Rosamund, nur um Agnes. Mit Rosamunds Namen auf den Lippen starb er.

Die Instrumente schlugen. Viele Knappen und Fräuleins be­gannen zu tanzen, während der Leichnam diskret entsorgt wurde. Auch Marschall, Truchsess und Mundschenk tummel­ten sich behend. Rosamund klatschte in die Hände und begann zu sin­gen. Betört lauschte die Menge und starrte auf ihr fallendes, dunkles Lockenhaar. Das Brautfest hatte begonnen, nur der Bräutigam fehlte noch. Rosamund wusste, dass ihre Zu­neigung zu ihm länger als zu ihren bisherigen Freiern an­halten würde, vielleicht sogar sehr lange. Dabei kannte sie ihn erst kurze Zeit und erschauerte oft in seiner Anwesenheit, doch gerade das machte die Sache spannend. Stets hüllte er sich in dunkle Gewänder; sie hatte ihn sehr eindringlich ge­beten, zumindest an ihrem heutigen Festtage etwas Helles zu tragen. Innerlich ahnte sie allerdings, dass es dazu nicht kommen würde, und Schwarz stand ihm gut. So gesehen durfte es ihr gleichgültig sein.

Seine Diener meldeten die baldige Ankunft ihres Herrn. Auch sie hüllten sich stets in dunkle Kutten, allesamt mit ei­nem seltsamen Abzeichen versehen. Rosamund hatte mit ihrem Bräutigam bereits vereinbart, dass sie in seinem Land mit ihm leben wollte. Viel würde sie hier nicht vermissen, und viel wusste sie auch nicht über das fremde Land, außer dass es sehr weit weg lag und dass es, obwohl offenbar südlich gelegen, nicht gerade südliche Tem­paraturen spendete.

„Sag an, wo liegt dein fernes Reich?“ hatte sie ihn bereits kurz nach ihrem Kennenlernen schelmisch gefragt. „Im Süden oder Norden? Wie heißt der Fluss, der durch dein Land zieht, und an welche Grenzen stößt dein Staat?“

„Mein Land stößt an keine Grenzen“, hatte er geheimnisvoll gelächelt. „Auch von Norden kann man nicht unbedingt spre­chen, es liegt weit unten.“

„Doch nicht unterhalb der Erde?“ scherzte sie.

„Und einen Fluss gibt es nicht, leider auch keine Rosen. Die Sterne leuchten dort nicht. Es liegt sehr weit weg.“

„Mehr als eine Tagesreise?“ fragte sie witzelnd.

„Mehr als eine Tagesreise“, nickte er.

Keine Rosen? Das hatte sie doch etwas irritiert. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, versicherte er ihr, dass sein Land den­noch von einer gewissen Schönheit sei, je nach Standpunkt des Be­trachters. Seine Größe sei dabei das Herausragende. Und Blu­men habe sie doch eigentlich nie besonders gemocht, nicht wahr?

Eigentlich machte sie sich keine Illusionen. Wie ihr ging es, das musste ihr klar sein, auch ihm in erster Linie um sich selbst und darum, mit dem anderen sich schmücken zu können wie mit einem Edelstein. Dass er sie liebte, konnte sie sich nicht vorstellen, und er hatte dieses Wort auch nie in den Mund ge­nom­men. Aber seine geheimnisvolle Aura und seine ge­schick­ten Komplimente beeindruckten sie. Unverblümt hatte sie ihm sogar angeboten, ihr Lager mit ihm zu teilen. Hier reagierte er ausweichend. Bei dieser Erinnerung nickte sie innerlich. Das musste Taktik sein, er konnte offenbar nur denken, dass sie ihn auf die Probe stel­len wollte. Dass er sie begehrte, hatte er klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, über ein etwaiges man­geln­des Interesse von ihm konnte sie sich nicht beklagen. So liebte er es, ihre nackten Brüste in den Mund zu nehmen, und manches Mal musste sie sich sehr zusammen­reißen, um nicht mehr von ihm zu fordern. Auch handelte es sich bei ihm um einen Königs­spröß­ling, ja um mehr als das. Sein Alter schien alterslos, er war bereits Herr seines Landes. Und noch nie hatte sie ein gutes Wort von ihm gegenüber seinen Dienern erlebt, und gerade das gefiel ihr. 

Während sie auf den Prinzen wartete, erinnerte sie sich lächelnd an die zwei Brüder, die sich ihretwegen entzweit hatten und ein tödliches Duell miteinander ausgefochten hatten. Dummerweise fiel derjenige, der ihr etwas besser gefallen hatte. Als der Sieger ihre Hand forderte, hatte sie ihm ins Gesicht gelacht. Dass er sich noch in der gleichen Stunde erdolchte, bedauerte sie, aber befohlen hatte sie ihm das nicht.

Es war ein Jahrmarkt gewesen, und unmittelbar nach dem Kampf wurde die Botschaft eines fremden Prinzen gemeldet, den sie jetzt als Bräutigam erwartete. Sein Hofstaat strahlte große Pracht aus, und die Gaukler in seinem Gefolge maßen sich mit ihren Gauklern. In Geschick und Humor übertrafen die Künstler des Prinzen die ihren, vor allem jener Baumeister mit der Leier. Bewundernd blickte sie im ersten Moment ihres Ken­nen­lernens dem Prinzen entgegen, der ihr die Hand reichte und ihre Diener zurück weichen ließ. So wie sie auch jetzt erwartete, dass er ihr die Hand reichen würde. Doch sie lenkte die Gedanken erneut zur Stelle ihres Kennenlernens: Zur Belebung des Jahrmarkts hatte sie ein be­son­deres Bubenstück vor­geschlagen, das ihn nicht überraschte, er ergänzte ihre Vorschläge und brachte sie so weit, dass sie nur noch staunend zu­stimmen konnte. Selbst­ve­rs­tänd­lich be­stan­den seine Zau­be­rer auch diese Prü­fung.

Aus irgendeinem Grunde flog ihr ganzes Leben innerlich vor ihr vorüber, während sie geschmückt auf ihren Bräutigam wartete. Warum gerade jetzt? Sicherlich handelte es sich um einen bedeutsamen Wendepunkt in ihrem Leben, aber warum musste sie plötzlich diese – Bilanz ziehen? Sie wollte diese Erinnerungen nicht sehen.

Ihr Vater hatte sie zur Bescheidenheit erzogen, zu einer Tugend, deren Sinn sie nicht wirklich einsehen konnte. Was für einen Grund sollte es geben, dass sie ihr Licht unter ihren Scheffel zu stellen hatte? Leider hatten sie und ihr Vater sich immer mehr voneinander entfremdet. Als er ihrer Pflege be­durf­­te, hatte sie auf ihre jüngeren Schwestern verwiesen. Zu ihrer Familie bestand kein Kontakt mehr. Eine innere Stimme hatte sie gewarnt, aber sie hatte sie innerlich beiseite gescho­ben.

Und genau um diese innere Stimme handelte es sich, die sie jetzt erneut zu hören glaubte. Was sie sprach, konnte Rosa­mund nicht verstehen, aber es konnte nur mit dem bedeut­samen Band der Eheschließung des heutigen Tages zu tun haben. Sie lauschte innerlich. Noch immer gelang es ihr nicht, die Worte klar und deutlich vernehmen, doch glaubte sie die Stimme des Ritters wiederzuerkennen, dem sie ein paar letzte Worte ver­weigert hatte und der sie dennoch nicht verwünscht hatte. Jetzt schüttelte sie sich nicht nur innerlich. Es wurde Zeit, dass sie sich auf reale Vorgänge konzentrierte und sich nicht ständig von Visionen lenken ließ.

Ihr bester Freund seit ihrer Jugendzeit bestand aus Glas, bei ihm handelte sich um einen besonders schönen Spiegel. Es hat­te sie beinahe tödlich getroffen, dass es beizeiten Gerüchte über ei­ne größere Schönheit gegeben hatte. Nur in Anwesenheit ih­rer engsten Zofe Mathilde hatte sie hierüber Tränen vergossen. Aber das lag lange zurück. Ihre Zofe hatte sie längst verstoßen; es wurde ihr peinlich, dass sie sich in Gegenwart der naiven Mathilde hatte gehen lassen.

Und endlich kam er, schön wie die Nacht.

Als Hochzeits­ge­schenk hatte er ihr einen ganz besonderen Jagdausflug ver­sprochen. Dabei wurde er nie so richtig konkret, und obwohl sie alles für die Abreise gepackt hatte, war ihr immer noch nicht völlig klar, ob die Jagd ein eigener Ausflug oder bereits der Start der Expedition in das Land ihres Mannes sein sollte. Zu ihrer Überraschung ging es direkt nach der erstaun­lich knapp abgehandelten Trauung damit los, ohne sich lange mit dem Hochzeitsschmaus aufzuhalten.

Sie reisten lange. Auf ihrem Weg kamen sie vorüber an Bild­­­säulen, Tempeln und Gärten, an der Hütte eines Ein­siedlers, der Rosamund seltsam betrachtete. Riesen, so hieß es, würden in dieser Gegend hausen. Die wilden Tiere ließen sich nur noch vereinzelt sehen. Spärlich wurden ihre Spuren. Die Nacht brach herein, und obwohl Rosamund ihren Bräutigam mehrmals um eine Rast bat, reagierte er nicht. Riesige Vögel erschienen am Himmel. Fast entwickelte sie den Verdacht, dass es sich um Harpyien handelte. Blasse Schatten konnten am Horizont aus­ge­macht werden, sie strahlten in fahlen Farben. Der Hufschlag ihres Pferdes. Das Schweigen im Walde.

Allmählich wich Ro­sa­­munds Beklommenheit nicht mehr, sondern nahm zu, und frierend ritt sie ihrem Mann hinterher, auf eine unbekannte Heimat zu.

 

 

 Die Kraniche des Ibykus

Ein Wettbewerb lohnt sich eigentlich immer, dachte Ibykus, als er in den Fichtenhain einbog, mittels einer tagsüber selten befahrenen Straße, was natürlich auch für die Nacht galt. Ibykus litt an Angst vor Räubern, wie er sich ungern ein­ge­stehen musste, und wählte gern günstigere Pfade, aber der Weg in die Landesenge von Korinth ließ keine Nebenpfade zu. Es sollte ein besonderer Wettbewerb sein, gewaltige Thea­terspiele standen in der Ankündigung. So überlegte Ibykus, ob die Zeit es erlauben würde, an den Spielen sowohl als Sänger, seines Zeichens Zierde, wie auch als Zuschauer teilzunehmen.

Am Himmel flog ein Schwarm von Kranichen vorüber. Versonnen lächelte der Barde. Sie hatten in der Tat den gleichen Weg, das konnte nur ein gutes Omen der Götter sein. Ibykus liebte Vögel, schon als Kind hatte er den Eindruck, dass zwischen ihm und den Tieren etwas Besonderes bestand, eine Bindung, die über das Übliche an Tierliebe hinausging.

Obendrein hatten sie noch etwas gemeinsam. Denn obwohl der Ruf des Sängers ihm häufig voraus eilte, gehörte er nicht zu den Reichen des Landes, der Beruf des Spielmanns galt zu Recht als unbeständig und beschwerlich, doch der Lohn der küssenden Muse genügte ihm. Oft auf Reisen, besaß er nicht viel mehr als die Vögel. „Genau so wie euch auch bleibt mir nur, im fremden Land um Gastfreundschaft zu bitten!“ rief Ibykus gen Himmel und kam sich dabei etwas blöde vor, aber ihm schien, als würden die Vögel wirklich mit ihm kommuni­zie­ren. Ihr ma­jes­tätischer Flug musste als ein besonderes High­light hervor­ge­ho­ben werden.

Den halben Wald hatte er inzwischen durchkämmt und ge­stattete sich, etwas aufzuatmen. Die Straßen hier konnten wirklich sicherer sein, leider blieb Wunschdenken das, was es gemäß Status eben ist. So langsam bekam er das Gefühl, dass er sich sputen musste, wenn er seinen Auftritt nicht versäumen wollte.

Er kam nie an. Räuber kreuzten seinen Weg und machten ihrem Namen alle Ehre. Nur um zwei Männer handelte es sich, doch es hätten ebenso gut zwölf sein können, schließlich ge­hör­te Ibykus nicht gerade zu den Kampferprobtesten. Den Umgang mit dem Schwert hatte er nie als seine Aufgabe angesehen. Als sie ihn nicht nur von einer Seite, sondern gleich von zwei Seiten bearbeiteten, wusste er, dass er verloren hatte. Während er in die Knie sank und um Hilfe schrie, rechnete er nicht wirklich damit, gehört zu werden. Er hätte sich gleich er­ge­ben sollen, schoss es ihm durch den Kopf. Nun hatten sie ihm starke Wun­den zugefügt, die ihm ernstliche Schwie­rig­keiten bereiteten. Keine sterbliche Seele ließ sich hier blicken, mit Hilfe konnte er nicht rechnen. Als er erneut das Geflatter am Himmel vernahm, erkannte er seine gefiederten Freunde wieder und blickte stumm auf den ersten der Kraniche. Im Sterben schien es ihm, als hätten sie Blickkontakt und als würde der Vogel seine Vergeltungsgedanken aufnehmen...

Sein Gastgeber fand den toten Ibykus und konnte die Tragödie nicht fassen. Die Tränen liefen ihm herunter. Er hatte gleich das Schlimmste angenommen, als Ibykus nicht pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt erschien, denn es gehörte nicht zu den Untugenden des Sängers, sich zu verspäten. Nichts hatten ihm die Räuber gelassen, nicht einmal die Kleidung.

Die Kunde machte schnell die Runde. Das Publikum ergriff völ­lige Betroffenheit. Ibykus gehörte zu den beliebtesten Sän­gern Griechenlands. Sein Verlust konnte auch menschlich nicht mehr wettgemacht werden. Es schien allen eine Schande, dass sei­ne Mörder unerkannt blieben. Doch hier konnten mit Si­cherheit selbst die Götter nichts ausrichten.

Auch Timotheus und sein bester Freund hatten sich unter das Publikum gemischt. Nach dem Tod des Ibykus galten nun­mehr die Theaterspiele als kultureller Höhepunkt, auch wenn diese nur einen schwachen Trost für die zu kurz gekommene Zuhörerschar darstellten.

Timotheus fühlte sich genervt durch seinen älteren Bank­nachbarn, der immerfort von der notwendigen Vergeltung für den Tod des Sängers sprach. Vielleicht sei der Mörder sogar mitten unter ihnen, flüsterte er Timotheus zu. Zerstreut nickte dieser und ver­suchte, sich endlich auf das beginnende Thea­ter­stück zu kon­zentrieren.

Fantastisch geschmückte Weiber traten auf die Bühne. Mit verblüffender Authenzität spielten sie die Rachegöttinnen. Ihre Perücken durften als das Werk eines Meisters bezeichnet wer­den, es sah fast so aus, als würden sich Schlangen in ihren Haarwäldern tummeln. Die Schauspielerinnen wirkten auf eine selt­same Weise alt und ehrwürdig. Timotheus wurde be­klom­men zumute. Die Monologe schienen das fortzuführen, was sein Banknachbar nur angedeutet hatte. Der Alte hörte nicht auf zu faseln! Timotheus drehte sich zu seinem Freund und fragte ihn, ob es ihm recht sei, wenn sie sich einen anderen Platz suchen würden. Zustimmend nickte jener, aber als er sich unter den Missfallensbekundungen des Publikums aufrichtete und den Platz übersah, stellte er fest, dass kein einziger Sitzplatz übrig geblieben war. Schließlich resignierte auch Timo­theus und bat seinen aufdringlichen Banknachbarn um et­was Ruhe. Beleidigt schwieg der Alte und starrte argwöhnisch auf die bei­den Burschen, die ihm innerhalb des kultur­bewussten Pub­likums wie Fremdkörper erschienen. Die bunte Kleidung der zwei Kerle hätte eher zu einem Spielmann gepasst, grübelte der Alte.

„Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle bewahrt den kindlich reinen Geist!“ krächzte eine der Rachegöttinnen auf der Bühne. „Ihm dürfen wir nicht rächend nahen, er wandelt frei seines Lebens Weg, doch wehe, wehe, wer verstohlen den schweren Mord vollbracht. Wir heften uns an seine Spuren, das furchtbare Geschlecht des Abends!“

Timotheus rann der Schweiß die Achseln herunter. Auch sein Freund blickte ratlos ins Leere.

„Und glaubt er fliehend zu entspringen, geflügelt sind wir da, die Fesseln ihm werfend um den Fuß, dass er zu Boden falle. Versöhnen kann uns kein Skrupel, so jagen wir ihn ohne Pause fort und fort bis zu den Schatten und geben ihn auch dort nicht frei!“

Spätestens hier hatte das Gemurmel innerhalb der Zuhörer an Lautstärke deutlich verloren. Langsam entfernten sich die Weiber von der Bühne. Ein kleines Kind begann zu weinen. So mancher fragte sich, ob das Schauspiel, das er gesehen zu ha­ben glaubte, nicht vielleicht doch möglicherweise echt gewesen sein mochte.

Am Himmel erhob sich ein Krächzen. Ein lauter Schrec­kens­ruf ertönte: „Sieh da, Timotheus, die Kraniche des Sängers!“

Der Schwarm der Kraniche hatte den Himmel verdunkelt. Das Publikum starrte auf die vorüberziehenden Vögel. Wie konnte die richtige Gedankenverbindung hergestellt werden? Langsam richteten sich die Blicke auf Timotheus und seinen Freund. „Der fromme Dichter wird gerächt!“ schrie der alte Mann, der Timotheus mit erstaunlicher Kraft am Hals packte. „Der Mörder liefert selbst sich dar, ergreift ihn, der dies Wort gesprochen, und ihn, an den er es richtete!“

Timotheus und sein Freund wussten, dass ihr Spiel ein Ende genommen hatte.

  

 

Der Taucher

 "Wer wagt es, Rittersmann oder Knappe, zu tauchen in diesen Schlund?“

Der König warf einen goldenen Becher in das Geheul des Meeres. Sofort wurde dieser vom Strudel verschluckt, und ängstlich blickten Ritter und Knappen hinunter. Der Strudel entfernte sich unmerklich, doch seine Anwesenheit hatte Spuren bei den Kühnsten hinterlassen.

„Wer ist der Beherzte?“ bellte der König. „Wer den Becher findet, darf ihn behalten. Ihr habt ihn alle gesehen, er besteht ganz aus Gold! Wer ihn gewinnt, braucht nie wieder zu ar­beiten!“

Das Schweigen hörte sich komisch an. Verblüfft zeigten sich die Frauen über den Mangel an Mut an ihrem Hof und ließen einige provozierende Worte hören. Doch niemand rea­gierte hierauf in der gewünschten Art und Weise. Der eine oder andere entfernte sich vom Schauplatz des Geschehens. Fast mitleidig schüttelte die Tochter des Königs den Kopf.

„Muss ich ein drittes Mal fragen?“ Jetzt klang der König nicht nur unwillig, sondern schien es auch zu sein.

Unter dem Fußvolk drängte sich ein junger Knappe an den Rand des Meeres. Kess stellte er sich als Pescecola vor. Verdutzt wich die Menge zurück, und irritiert blickte der König. Er spürte schon eine gewisse Fürsor­ge­pflicht und hätte dem Jungen gerne zugerufen, er möge seine Kräf­te für die Zeit des Heranwachsens schonen. Doch nun hat­te er zu diesem Spiel aufgefordert, und die Teil­nahme­be­dingungen, nämlich keine, jetzt noch zu ändern, wäre auch und gerade gegenüber dem Knappen nicht fair gewesen.

Schnell hatte sich der Knappe entkleidet und blickte nun furchtlos, wie er glaubte, in den Schlund des Meeres. Aber na­tür­lich forderte seine Jugend ihren Tribut, der selbst­verständlich nur aus Angst vor der eigenen Courage bestehen konnte. So stand Pescocola einige Sekunden vor dem unheim­lichen Gewässer. Doch er wusste, dass er auf seine wohl erprobte Sportlichkeit vertrauen konnte. Ein erstes Abenteuer musste jetzt einfach an der Zeit sein. Dennoch schien es ihm ein Segen, dass seine Eltern sich nicht vor Ort befanden, sie hätten ihn in Verlegenheit gebracht, wenn nicht gleich das ganze Vorhaben zu vereiteln gewusst.

Wieder verschwand der Strudel, und der Junge wusste, dass es nun an der Zeit war, seiner geäußerten Bereitschaft Taten folgen zu lassen. So sprang er schließlich hinunter in die entsetzliche Tiefe.

Dieses Gewässer widerstand allen Naturkäften, sein Körper wur­de nach unten gezogen, und der Strudel hatte ihn schließlich mit sich gerissen. Pescecola fühlte sich wie ein Kreisel in der Geschwindigkeit, der er sich nicht entziehen konnte. Jetzt ging es ums Leben, denn so langsam ging ihm die Kraft aus, mit den rudernden Armen dagegen anzukämpfen, noch weiter in die fremde Tiefe hinabgesaugt zu werden. Ein in doppelter Hin­sicht hervor ragendes Felsenriff schien ihm seine letzte Rettung zu sein, er griff danach und hatte Halt gefunden. Unmittelbar in greifbarer Nähe hing auch der Becher, der sich in Korallen verfangen hatte. Es war ein Wahnsinnsunter­nehmen, das eigentlich nie gelingen konnte, schließlich hatten sowohl der Taucher wie auch der Becher es nur dem gnädigen Zufall zu verdanken, nicht noch weiter in der kritischen Mee­res­tiefe abzusinken. Als er den Becher an sich gepresst hatte, der ihm nunmehr ein sorgenfreies Leben garantieren sollte, sofern er die Sonne je wiedersah, riskierte er einen Blick nach unten.

Gar nicht allzu weit unterhalb seiner Knie sah Pescecola die wunderlichsten Kreaturen, die er sich selbst in den kühnsten Visionen nicht hatte erträumen können, das übertraf noch das abenteuerlichste Bilderbuch aus seiner Schulzeit. Wie ein Gebirge wirkte der Ozean an dieser Stelle, und jetzt wurde es langsam eng mit der Luft. Die Zeit tickte hier unten anders. Taub fühlten sich nicht nur zeitweise seine Füße an, ein denk­bar ungünstiger Umstand hierzuwasser, sondern auch sein ohnehin nur mittelmäßig ausgeprägtes Gehör, das lag in der Natur der Sache. Haie hatten es nicht nötig zu brüllen. Sala­mander glitten an seinen Füßen vorüber, Molche und seltsame mittelgroße Echsen glitten professionell durch die fremde Welt. Einige Male sah er nur schwarz, ein grauenvolles Schwarz, ein Tintenfisch wälzte sich vorüber, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, und dafür fühlte der Knappe Dankbarkeit. Auch ein Haifisch oder ein anderes Monstrum ließ sich in der Ferne sehen.

Tief betrübt fühlte der Knappe Gefühle, die er niemals erahnt hatte. Dies war ein schreckliches Reich, unerforscht von menschlichen Spuren. Möglicherweise repräsentierte er hier den Exoten, denn nicht für das grausige Getier, sondern für ihn stellte das Ganze eine Befremdlichkeit dar, die auch den Mu­tigsten erzittern lassen musste, ganz abgesehen von der Tatsache, dass ihm so nach und nach immer mehr die Luft ausging. Die Einsamkeit setzte ihm zu und fügte ihm den bislang größten Schrecken zu, den er bislang gefühlt hatte. Hier konnte er nur auf sich selbst rechnen. Dass ihm einer der Ritter nachsprang und ihm heraushelfen würde – na, da wäre göttliche Hilfe realistischer gewesen.

Gelenke griffen nach ihm, fremde Bewegungen bewegten sich auf ihn zu. Die Untiere verfügten über eine gewisse Schönheit, aber es handelte sich um die Schönheit des Tötenden aus der Sicht des Opfers, um eine schreckliche Schönheit, die er dennoch intensiv verspürte und nie wieder vergessen sollte.

Auch die Außenwelt hatte Pescecola nicht vergessen. Schweig­sam blieb die Menge und blickte verstohlen in die Tiefe hinab. Es kann im Nachhinein nicht genau festgestellt werden, ob die Zeit außerhalb oder innerhalb des Meeres schneller verstrich.

Doch endlich wurde sein wachsamer Arm sichtbar, und Jubelrufe ertönten. Der am lautesten schrie, war natürlich der König. Zu Tode erschöpft bewegte sich der Knappe auf den König zu, reichte ihm den Becher und sank oder besser stürzte auf die Knie, begann zu berichten und schloss mit den Worten:

„In des Schreckens Wahn lass ich los der Koralle um­klammerten Zweig, gleich fasst mich der Strudel mit rasendem Toben, doch es war mir zum Heil, er riss mich hinauf!“

Der König staunte. Eine fremde Welt lag vor ihm; er be­gehr­te sie zu besitzen, mehr von ihr zu erfahren. Gutmütig lächelnd drückte er dem Knieenden den Becher in die Hand und hieß ihn aufstehen. Auf einen Wink füllte seine Tochter den Becher mit einem speziellen Wein, den der König für große Anlässe aufgehoben hatte.

„Der Becher gehört dir. Und wenn du willst, schlage ich dich noch heute zum Ritter!“

Pescecola lächelte glücklich.

„Doch vielleicht willst du den glücklichsten Tag deines Lebens zu deinem allerglücklichsten Tag küren?“ forschte der Herrscher.

Es war der Wein, der den Knappen belebte und ihn von seinem matten Zustand befreite. Mut ergriff ihn erneut, und er verstand die Worte des Königs und auch das, was er bewusst zu sprechen unterließ, sehr genau.

Der König zückte einen Ring und hielt ihn gegen die Sonne. Es handelte sich hier um einen ausgesucht schönen Ring, wie er dem Taucher erzählte. „Auch er soll dir gehören, wenn du noch ein zweites Mal in die Fluten tauchst und mir berichtest!“

Hier griff seine Tochter ein und mahnte an den großen Zufall, dem es allein zu verdanken gewesen sei, dass Taucher und Becher unversehrt vor ihnen standen.

„Ob die Götter Grund haben, auch ein zweites Mal großzügig zu sein?“ fragte sie zweifelnd.

Erneut griff der König nach dem Becher und stürzte ihn ins Meer.

„Hol mir den Becher zurück, und noch heute wirst du mich Vater nennen dürfen!“

Die Menge jubelte über die bevorstehende Hochzeit. Während die junge Frau halb aus welchen Gefühlen auch immer ohnmächtig niedersank, besann sich der werdende Ritter nicht lange und ging den Weg, den er bereits ein erstes Mal erfolgreich beschritten hatte.

Sie hörten die Brandung. Die Wellen rauschten herauf und hernieder. Die Minuten krochen dahin. Sie warteten auf den Schwimmer. Sie warteten lange.

  

 

Herzogin Vanda

 Die Last ihres Namens zu tragen, hatte Vanda nie allzu viel ausgemacht, aber inzwischen empfand sie die Vergangenheit ihres Vaters schon ein wenig als Belastung. Als sie auf der Suche nach Informationen über die Gründung Krakaus in alten Unterlagen blätterte, stellte sie fest, dass nichts Schriftliches die Macht der mündlichen Erzählung zurückdrängen kann. Ins­be­sondere wenn sie von Krakus handelte, ihrem Vater und dem Gründer ihrer Geburtstadt.

 In romantischer Stimmung wartete Smok an der Grotte. Er liebte die jungen Frauen dieser Stadt. Problemlos konnte er auch tagelang ohne eine von ihnen auskommen, er bemühte sich, keiner von ihnen mehr weh zu tun als nötig. Inzwischen fühlte er sich von der Bevölkerung Krakaus wenn auch nicht be­­din­gungs­los geliebt, so doch respektiert. Möglicherweise wuss­­ten es die Väter der noch jungen Stadt zu schätzen, dass er nicht wahllos innerhalb Krakaus wütete, sondern offen am hellich­ten Tag nahm, was er zum Leben brauchte. Für den Fort­bestand des Herzogtums musste es positiv sein, dass er die jun­gen Männer und Kinder sowieso verschmähte. Dafür Dank­bar­keit zu erwarten, wäre natürlich naiv gewesen, das wusste Smok selbst.

Smok pflegte seine Opfer nicht lange zu quälen. Ge­wöhnlich bereitete er sie an Ort und Stelle zu. Ihr Fleisch schmeckte süß. Das sollte nicht bedeuten, dass er nicht auch Tie­re zu schätzen wusste, besonders Geflügel und Lämmer hat­ten es ihm angetan. Ihre Schreie schmerzten seine Ohren je­doch nicht geringer als die seltsamen Laute der jungen Frauen, wenn er sich bei ihnen bediente. Smok tötete nicht gerne und würde manches darum geben, das Fleisch bereits bearbeitet vorzufinden. Die Karsthöhle bildete eine brauch­bare Vorrats­kammer, und die direkte Lage an der Weichsel konnte guten Gewissens als günstig bezeichnet werden.

Jüngst hatte Smok einen Pakt mit Krakus, dem Beherrscher dieser Gegend, ausgehandelt. Er schätzte seine Loyalität. Ge­mein­sam hat­ten sie eine gewisse Möglichkeit erfasst, seine Er­näh­rungs­ge­wohn­­heiten etwas mehr auf Schafe umzustellen. Gut­mütig hatte Smok sein Einverständnis geäußert, eine Jung­frau weniger im Monat zu reißen, wenn ihm Krakus per­sön­lich an jedem Monatsersten ein getötetes Schaf überlassen wür­de. Unge­duldig blickte Smok gen Horizont. Eigentlich sollte es bald so weit sein.

 Da lag es ja. Unweit vom Höhleneingang befand sich ein appetitlich zubereiteter Schafskadaver. An diese Übereinkunft würde sich Smok schnell gewöhnen. Ihm gefiel die Zuver­läs­sigkeit seines Verhandlungspartners. Das Schaf schmeckte vor­züglich, die Würzung erschien ihm als sehr präzise, fast schon zu­viel des Guten, denn noch während er fraß, begann ihn der Durst zu quälen. Sehnsüchtig warf er einen Blick zur Weichsel. Eigentlich gehörte es weniger zu seinen Sitten, eine Mahlzeit nicht zu beenden, doch hier hatte höhere Gewalt die Finger im Spiel. Smok beugte sich nieder zum Wasser und trank.

Langsam merkte er, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Der Durst wurde nicht weniger. Panik ergriff ihn, und er begann schnel­ler zu trinken. Als er platzte, nickten sich Krakus und seine beiden Diener zu, sie hatten mit geziemendem Sicher­heits­­abstand in der schützenden Umgebung des Ge­büschs ge­lauscht. Jetzt erst konnte Krakau als wirklich frei be­zeichnet werden.

Die Festtage dauerten lange, aber Krakus wirkte nicht zu­frieden. Die Stadt brauchte Kultur und nicht nur Sicherheit und Amüsement. Den Männern gefiel es, aus der Karsthöhle auf Genehmigung des Krakus eine Schenke zu bauen, den Frauen weniger. Und auch Krakus hätte es vorgezogen, die Höhle für alle Zeiten zu verschließen. Wie stand es denn nun um das kul­tu­relle Niveau der Einwohner Krakaus? Gering.

Immer­hin würde in wenigen Tagen der berühmte Nür­n­be­r­ger Holz­schnitzer Veit eintreffen und einen kunstvollen Altar her­stellen. Ein Anfang schien gemacht. Krakus nickte be­däch­tig vor sich hin, aber noch nicht völlig befriedigt. Vielleicht wür­de er es sein, wenn ihm seine Frau endlich nach seinem Töch­­terchen Vanda und nach dem ersten Sohn, benannt nach ihm selbst, einen zweiten Sohn gebären würde. Einen Namen hat­te er bereits ausgesucht: Le­chus. Krakus schätzte keine Na­men, bei denen Ver­wechslungsgefahr die Identität ver­schlei­erte.

Dass Vanda schon bald als erste Frau persönlich das Zepter schwin­­gen sollte, ahnte noch keiner. Sie liebte Sport und Un­abhängigkeit. Wann immer Krakus ansetzte, seiner Tochter von seinen Erlebnissen mit Smok zu berichten, stand sie auf und verließ den Raum. Aus Politik machte sie sich nicht viel und be­gann sich erst damit zu beschäftigen, als es notwendig wur­de. Sie schätz­te ihr Land durchaus. Krakau galt als Staat, in dem Stei­ne sprechen.

Sprechen konnten sie auch auf der Jagd. Lechus versicherte bei ausgedehnten Jagdunternehmen seinem älteren Bruder im­mer wieder, wie sehr er ihn verehrte. Im gesamten Staat wurde be­reits über diese Art Affenliebe gespöttelt.

Es erschien vielen ein Segen, dass gemäß Tradition der älteste und nicht der jüngste Sohn die Nachfolge des Herzogs antreten würde. Bei ihrem letzten gemeinsamen Jagdausflug kam der Bruder des Lechus ums Leben. Es dauerte eine Weile, bis endlich geklärt wur­de, dass Lechus höchstpersönlich aus Machtgier einen Attentäter beauf­tragt hatte, das Leben seines älteren Bruders auszuhauchen. So fiel die Regentschaft an Vanda.

Die Tochter des Krakus hatte nie das Verlangen gespürt, sich einem Mann hinzugeben. Insgeheim ekelte sie sich vor jedem Mann und hoffte, diese Art Ekel nie zu deutlich zeigen zu müssen. Natürlich musste sie es als legitim hinnehmen, dass ihr als frischgebackener Herrscherin auch der eine oder andere An­trag gemacht wurde. So wie es ihre Besucher auch hin­nehmen muss­ten, dass sie jedem von ihnen die gleiche nicht be­sonders ermutigende Antwort gab. Einer von ihnen ging nicht gut mit seinem Korb um, er hieß Rüdiger und erklärte ihr den Krieg. Eine interessante Retourkutsche, dachte Vanda in­nerlich schmun­­zelnd, allerdings sah die Sache jetzt nicht mehr so sehr zum Schmun­zeln aus.

Rüdigers Heer kam aus einer Gegend mit dem seltsamen Namen Pommerland. Unentschlossen standen sich beide Heere gegenüber, Vanda selbst trug eine Rüstung. Die Herzogin sah, dass die Berater Rüdigers sein Pferd umringt hatten. Sie deu­teten mit den Armen auf Vandas Heer und wirkten sehr passiv. Van­da vermutete, dass es was mit Skrupeln zu tun hatte, eine Frau zu bekämpfen. Dann sah sie, dass Rüdiger vom Gaul herunter stieg und sich das Schwert in den Bauch jagte.

 Jetzt hatte Vanda die Unterlagen durchgearbeitet. Mit den Pom­mern hatte sie in einem betäubten, halb entrückten Zustand Frie­­den geschlossen. Sie konnte Rüdigers Handlungsweise nicht be­grei­fen. Und von ihr erwartete das Volk, dass sie sich end­­lich mit einem Mann vereinigte. Ein Mann muss ans Ruder, die Erb­folge gesichert sein und so weiter.

Die Argumente, die sie in den Unterlagen gesucht hatte, ließen sich nicht finden. Aber als sie auf ihrem weißen Pferd in der gleichen Rüstung saß, in der sie Rüdiger gegenüber gestan­den hatte, lauschte ihr Volk und wartete auf ihre Rede.

Vanda begann von den Sagen um ihren Vater zu erzählen. Dabei hoffte sie, dass es ihr gelang, einen Bezug herzustellen, der das Volk von der Rechtmäßigkeit ihrer Frigität überzeugen konnte. Mög­licherweise würden ihre Untertanen es zu akzep­tieren versuchen. Neue Wege bot sie ihrem Volk an, die Er­kennt­nis der Selbsterkenntnis, die Besinnung auf sich selbst an­statt auf irgendwelche Ehepartner.

Der einzige Mensch, in den sie sich für die Dauer eines Augenblicks verliebt hatte, hieß Rüdiger in der Stunde seines Selbstmords, wie sie ihren Untertanen mitteilte. Nach ihm würde es nie wieder eine Liebe für sie geben. Und als das Volk er­griffen schwieg, aber nicht von seiner Meinung wich, zügelte sie ihr weißes Pferd und lenkte es über den Abgrund an der Karsthöhle vorbei hinein in die Weichsel.

 

  

 

Don Juan

 Sein Gesicht sah streng aus, und dass es aus Stein bestand, konn­te diesen Umstand nur geringfügig mildern. Der Status des herrischen Kommandanten lauerte auch in den nach­gebil­de­­ten Zügen. Gussmann jedenfalls ertrug den Anblick nicht, wo­hingegen es Don Juan scheinbar nichts ausmachte, der Ver­sinn­­bildlichung seines toten Feindes ins Gesicht zu sehen.

Don Juan nahm die Damen gerne von hinten und fragte sich gelegentlich insgeheim nach dem Grund dafür. Angeblich sollen die Steinzeitmenschen sich auf diese Art geliebt haben, um dabei Ausschau nach möglicherweise anrückenden Feinden halten zu können. Das wäre eine Motivation, die im Zeitalter von eifersüchtigen Ehemännern oder Nebenbuhlern auch Don Juan beträfe, wäre er bedächtig veranlagt genug, wie er grinsend dachte. So hörte er kaum hin, was ihm Gussmann von Ehrfurcht gegenüber dem Jenseits erzählte. Don Juan nickte ironisch lächelnd, hielt ab­wechselnd stumme Zwiesprache mit der Statue und dem Diener, er kämmte dem Bildnis die ima­gi­nären Haare, die der arme Kommandant selbst zu Lebzeiten nur ansatzweise sein Eigen nennen konnte.

Ein Festzug war angekündigt, doch er ließ auf sich warten, und durch Gussmanns Gruseln aufgestachelt, fand Don Juan die Zeit, sich weiter mit der Statue zu amüsieren und sich an die Um­stände zu erinnern, unter denen der Kommandant sein Leben gelassen hatte. Eindeutig Notwehr: Gussmann hatte, ängstlich wie immer, vorm Haus seines Feindes Wache ge­standen, während Don Juan sich der zickigen Dona Ania angenommen hatte, die mehr oder weniger freiwillig zu seiner Verfügung stand und sich dann entschied, vergewaltigt worden zu sein, nachdem er seinen sofortigen Abschied eingereicht hat­te. Durch die Hilfeschreie seiner missratenen Tochter an­ge­lockt, hatte der Kommandant seine Flucht empfindlich be­hin­dert und leider die Konsequen­zen tragen müssen. Sterbend schwor er Don Juan Rache. So gerade eben noch war dem Frauensc­h­warm dank der Hilfe des ewig schimpfen­den, aber doch loya­len Gussmann die endgültige Flucht gelun­gen. Die paar Alpträume, die er kurz darauf hatte, lagen längst ad acta.

Bewundernd stand Don Juan jetzt vor dem Standbild. Er hätte den Künstler gerne kennengelernt und ausgefragt über die Art und Weise seiner Inspiration. Das eine oder andere in den Zügen des Bildes sah in seiner nachgebildeten Wut echter als das Original aus, wie man so sagt. Es gab nur wenige Dinge, die Don Juan so sehr be­wun­derte wie das Zusammensein mit den Damen von Welt, und die Kunst gehörte natürlich dazu, sah sich doch Don Juan selbst als Künstler. Eigentlich erstaunlich, dass die Umrisse des Fried­hofs diese Art Nähe zur Straße erlaubten. Und wäre ein Platz in der Mitte nicht angebrachter für die Statue gewesen? Der Kommandant galt als überall gefürchteter Kerl und absoluter Verfechter kirchlicher Moral. Da sollte man doch annehmen, dass man seine Statue nicht einfach nur in eine dunkle Ecke stellte...

Endlich, der Festzug. Don Juan konnte sich täuschen, aber es schien ihm, als wäre die von den Musikanten ausgestrahlte Fröhlichkeit gedämpft oder sogar vorgetäuscht. In der Mitte lag eine jüngere Frau in einer Sänfte, und zumindest sie sah selbst aus der Entfernung nicht besonders heiter aus. Offenbar han­delte es sich bei ihr um die traurigste Figur der ganzen Auf­führung. Das Ungewöhnliche an ihrer Erscheinung bestand aus ihrer eigenartigen Maskerade, eine Art Verschleierung wie im Orient.

Nachdenklich ließ Don Juan den Zug vorüberstreifen und zog schließlich einen der Knappen zur Seite, um von ihm Aus­kunft über die Funk­tion dieses Festivals zu erfahren. Der Knappe, einfach gestrickt, spürte, dass es mit einer gewöhn­lichen Auskunft nicht getan wäre; sein Gegenüber sah wichtig aus, offenbar ein Edelmann auf einer politischen Reise oder an­deres, nicht wahr? So erzählte er ihm in allen Details, die seine knapp bemessene Zeit erlaub­te, von dem Sinn und Zweck die­ses Hochzeitszuges. Dona Leonora nämlich wurde von ihrem Vater Eu­do zu einem gewissen Don Giovanni nach Barcelona geschickt, um mit ihm verheiratet zu werden. Da die Braut ihren Künftigen nicht kenne, so der Knappe, halte sich ihre Begeisterung in Grenzen.

Don Juan erinnerte sich jetzt. Graf Eudo hatte vor ein paar Wochen im Kartenspiel gegen ihn Haus und Hof verspielt und konnte sich nur mit dem Hinweis auf seine jungfräuliche Toch­ter vor dem Ruin retten. Daraufhin hatte sich Don Juan etwas Be­denk­zeit erbeten und sich dann mit Eudos Vorschlag einver­standen erklärt. Eine mehr in seinem Harem, prima.

Dass er sei­nem Glück mit gezinkten Karten nach­geholfen hatte, ver­stand sich von selbst. Er sah sich eben als Künstler. Gelang­weilt hatte er Graf Eudo seinen Zweit­wohnsitz, den er unter dem Pseudonym Don Giovanni besaß, in Barcelona ge­nannt.

Was er jetzt von Leonora sah, gefiel ihm zwar, aber noch muss­te er vorsichtig sein. Der Schleier machte ihn miss­trauisch. Er berichtete dem Knappen, dass er vom Bräutigam geschickt worden sei, um sich dem Zug anzuschließen. Irritiert hob der Knappe eine Augenbraue. Jedenfalls hielt der Festzug an und befand sich immer noch in der unmittelbaren Umge­bung des Friedhofs. Gussmann stand abseits in der Nähe der Statue und hielt die Arme verschränkt. Als Leonora endlich den Schleier ablegte, atmete Don Juan auf. Obwohl – was hatte er eigentlich zu sehen befürchtet? Den Sensenmann? Eine Hässliche? Wobei noch zu klären wäre, was das Schlimmere darstellte.

Eine heiße Nacht stand ihm bevor. Er malte sich bereits die interessantesten Stellungen aus. Es wäre kein Problem, die Hochzeit auf offener Straße zu feiern und nach der Hochzeits­nacht zu flüchten. Vielleicht würde er nicht mal Lust haben zu flüchten, wer weiß? Es konnte noch sehr interessant werden. Er hatte lange keine griechische Lektion mehr genossen. Und vielleicht hatte Graf Eudo in bezug auf die Jungfräulichkeit seiner Tochter nicht zuviel versprochen.

Das sich ansammelnde Publikum brach in Hochrufe aus, als er den Hut und anschließend sein Pseudonym gegenüber Dona Leonora lüftete. Das Fräulein betrachtete ihn kurz und wirkte erleichtert. Die Details über die Art und Weise der Entstehung dieser Vermählung hielt er diskret zurück, von einem gewissen ge­wissen­losen Kartenspiel mussten die Herr­schaf­ten nicht unbe­dingt etwas wissen. Gussmanns übliche Miss­fallens­be­kun­dun­gen gingen unter im Erstaunen der Menge.

„Ich möchte euch noch meinen Trauzeugen vorstellen“, rief Don Juan über den Platz und lief zurück zum Friedhof. „Hast du nicht Lust, bei meiner Hochzeit mitzufeiern?“ Bei seiner Frage klopfte er dem Standbild gutmütig auf den Bauch. Sogar Gussmann musste etwas lachen. Das Publikum sammelte sich um ihn und die Statue herum und lachte hysterisch, wie es Don Juan erschien. Zum Abschied zwinkerte er der Statue zu und warf einen vorletzten Blick auf sie. „Keine Reaktion? Schade! Aber du bist herzlich eingeladen, mein liebster Feind!“ Fröh­lich, fast hüpfend schickte sich Don Juan an, sich aus dem Blick­win­kel des Steinbildes zu entfernen und hielt ein letztes Mal Blickkontakt hierzu aufrecht.

Der Kommandant nickte bedächtig und mit einer bemer­kens­­­werten Schwere vor sich hin.


   

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