"Kabale und Liebe" (2005)

Pünktlich zum Schillerjahr setzt es eine Filmfassung von Schillers vielleicht schönstem und gleichzeitig düsterstem Theaterstück.

Der einfache und bürgerliche Musikant Miller erträgt die Verbindung seiner Tochter Luise mit dem wilden Ferdinand, dem Sohn des herrischen Präsidenten von Walter, nur sehr ungern, aber immerhin gibt sie ihm Gelegenheit, einen ebenfalls ungern gesehenen Verehrer, dem schmierigen Wurm, Helfershelfer des Präsidenten, die Tür zu weisen - worauf Wurm racheheischend den Präsidenten gegen die Familie Miller aufhetzt und mit ihm einen Plan ausheckt, Ferdinand vom Herzen der Bürgerlichen loszureißen: Man zwingt Luise, ihren Lover glauben zu machen, sie hätte bereits einen anderen. Der tödlich eifersüchtige Ferdinand gerät in Raserei...

Mit Götz George, Detlev Buck und Katja Flint sind die Bösewichter prominent besetzt. Dagegen sind die Hauptdarsteller unbekannt, stehen aber in Sachen Talent den alten Hasen in nichts nach. Gelegentlich erlauben sich die Schauspieler kleine Flapsigkeiten, besonders Götz George, was man aber nicht unbedingt daneben geraten finden muss. Dass es bei der Länge der Monologe nicht ganz ohne Kürzungen abgeht, leuchtet ein.

Einerseits hält sich die Verfilmung sehr eng an die Original-Vorlage und geht andererseits doch eigene Wege. Beispielsweise wird in Schillers Stück die Rolle von Luises geliebter Mutter ohne Erklärung in der zweiten Hälfte der Handlung komplett gestrichen, plötzlich ist nur noch von ihrem Vater die Rede – während der Film Katharina Thalbach in der Rolle als Millerin senior verstärkt als Kupplerin da stehen lässt und nicht ihren Part, sondern den ihres Mannes, immerhin mit einer kurzen Erläuterung, aus dem Drehbuch streicht.

Das Ende geht ganz wie bei Schiller unter die Haut, es setzt sogar noch den von der Kritik als melodramatisch empfundenen Händedruck zwischen Sohn und Vater um. Zur dramaturgisch wirkungsvollen Unterstützung dürfte auch die gelungene Musik eine Rolle gespielt haben.

Wenn man Schwächen suchen will, so kann gesagt werden, dass man immer noch die Herkunft vom Theater bemerkt und dass die eher mageren Schauplätze wie auch einige wenige Action-Szenen diesen Eindruck nur geringfügig kaschieren können. Erstaunlich auch, dass Luises Rolle eher klein ausgefallen ist und dass einige wichtige Szenen zwischen Luise und Ferdinand bei Schiller auf kurze Dialoge am Anfang beschränkt werden. Ferdinands Verdacht, Luise hätte einen Liebhaber, scheint somit am Anfang nur ein roher Scherz zu sein.

Romeo und Julia meets Othello. Das Problem auch bei Schillers Vorlage liegt darin, dass der Held sein Schicksal selbst heraufbeschwört, dass also nicht, wie beabsichtigt, die Gesellschaft die eigentliche Schuld trägt. Ferdinand ist von Anfang an gefährlich in seiner Eifersucht (was nichts daran ändert, dass dieser problematische und doch faszinierende Charakter fabelhaft gespielt wird).

Amüsant dagegen kommt die Rolle der Dienerin Sophie rüber, während sie bei Schiller kaum entfaltet wird. Hier dagegen liest sie ganz dienstmädchentypisch auch mal ein Buch, was ein schönes Klischee ist, das die Rolle mit Leben erfüllt, und darf sich eifrig für ihre Herrin einsetzen. Erfreulich auch, dass der Text einige behutsame, keinesfalls sinnentstellende Vereinfacherungen erfuhr, die fürs breite TV-Publikum einfach erforderlich sind. Unlogische Dialoge wurden minimiert oder weggelassen. Das Fazit des Regisseurs steht zu Recht – man brauche nicht zu jammern, dass man keinen Shakespeare habe, man habe doch Schiller.

 

"Schiller" (2005)

Trotz eines hervorragenden Hauptdarstellers und trotz einiger schöner Szenen auf der Bühne muss man doch von einer Enttäuschung sprechen. Dabei sollte die filmische Biographie eines der größten deutschen Dichter in seinem 200. Todesjahr was Besonderes sein.

Wie DER SPIEGEL schon erkannte, erfährt man in diesem Film nicht wirklich viel über den Dichter, obwohl sich der Film eng an sein Leben oder besser an seine Zeit im Sturm und Drang hält. Die Szene, die im SPIEGEL am heftigsten kritisiert wurde, ist kurioserweise noch die lebendigste: Schiller rezitiert angeheitert vor einer Tischgesellschaft sein Gedicht „An die Freude“. Schön sind auch die leider zu seltenen Szenen der „Räuber“.

Die Konkurrenz zwischen Schiller und Schauspieler Iffland gibt dramaturgisch nicht besonders viel her. Vielleicht hätte der Konflikt zwischen Schiller und seinem despotischen Landesherrn Karl Eugen stärker betont werden müssen. Denn die eher belanglosen Liebeszenen alleine machen auch nicht viel Eindruck. Es wäre doch viel interessanter gewesen zu sehen, wie Schiller seine Inspiration fand. Auch stellt sich die Frage, warum die Begegnungen mit Goethe (auch beim jungen Schiller historisch gegeben) und sein ganzes späteres Leben komplett ausgeklammert werden müssen. Sinn für Details ist nicht vorhanden: Keine Episode mit faulen Äpfeln, wodurch Schiller high wurde, keine Liebschaft mit den berühmten zwei Schwestern, nichts. Das kam eben alles erst später, in seinen jungen Jahren hatte Schiller nicht viel erlebt, wie man im Film mehr oder weniger anschaulich nachprüfen kann.

Schade vor allem für Matthias Schweighöfer, der als Schiller wieder eine Glanzleistung zeigt, vergleichbar mit seinen Auftritten in „Kammerflimmern“ und „Die Klasse von 99“. Aber eine Schwalbe bewirkt eben keinen Sommer.


   

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